Upolu, Teil 2, Samoa

Die Probleme nehmen irgendwie kein Ende…

Die Schwierigkeiten mit unseren Gastgebern während der ersten Tage in Samoa sollten in die nächste Runde gehen. Nachdem wir am Vortag ein Moped ausgeliehen hatten, konnten wir morgens auch unabhängig in die Arbeit fahren. Während wir so unser Frühstück aßen, meinte der gute Ted, dass wir an diesem Tag frei haben können, da eh nicht viel los sei. Das kam für uns aber nicht in Frage, da wir ja bereits so früh aufgestanden sind. Das hätte er uns auch am Abend davor sagen können. Er wollte sich unsere Arbeitszeit für das Wochenende offen halten, was für uns aber nicht in Frage kam. Wir hatten bereits andere Pläne. Deswegen standen wir dann um 9 Uhr im Tauchladen auf der Matte. So ein Penner!!! In der unteren Galerie könnt ihr jetzt mal ein paar Fotos von unserer Unterkunft sehen, denn wir haben die Abwesenheit von Ted und Karin genutzt, um das mal zu dokumentieren.

Unsere Arbeit bestand morgens immer zuerst darin, dass wir alles für die Gäste, die tauchen wollten, vorbereiten. Dazu gehörte der Transport der gesamten Tauchausrüstung, inklusive Flaschen, zum Boot. Zusammen mit Ben und Pentacoso haben wir das Boot geholt und ebenfalls startklar gemacht. Mit den Gästen haben wir dann auch etwas Smalltalk betrieben, damit die sich auch gleich wohl fühlen. Sobald die Gäste mit dem Boot raus gefahren sind, haben wir uns um den Tauchladen gekümmert. Wir haben den großen Empfangsbereich, den Bereich mit der Ausrüstung und den Hof sauber gemacht. Das hieß wischen und fegen. Manchmal mussten wir noch das Wasser auffüllen und haben Pentacoso mit seinen Tätigkeiten draußen auf dem Hof geholfen. Dadurch sind wir auch ihm etwas näher gekommen und er hat schnell Vertrauen zu uns gefasst. Sein Englisch war nicht so gut, wie das von Ben, aber mit etwas Geduld war eine Kommunikation möglich.

Unsere Arbeit hier hat aber nie gereicht, damit wir auf die insgesamt vier Stunden am Tag kommen. Daher hatten wir leider immer mal wieder etwas Leerlauf, was genervt hatte, da die Zeit dadurch einfach nicht vergehen wollte. Wenn man blöd rum sitzt und nichts zu tun hat, dann macht das auch keinen Spaß. Deswegen haben wir mit den Leuten hier mehr gequatscht. Neben Pentacoso waren es noch die Betreiber eines Restaurants namens Coffee Bean neben dem Tauchladen. Die hatten hinten im Hof den gleichen Aufenthaltsbereich, wie der Tauchladen. Mario, ein Mitarbeiter des Restaurants, kam aus Kolumbien und hat uns von seinem Heimatland erzählt. Er hat uns auch immer mal an den Strand eingeladen, damit wir schnell Anschluss finden sollten. Das fanden wir mega nett. An diesem Tag kam auch noch ein Neuseeländer namens Cookie in den Laden, der uns von seiner Firma und seinem Leben auf Samoa erzählt hat. Alle waren sehr nett zu uns. Außer Ted. Dem waren wir weiterhin egal. Und das hat er uns mit Ignoranz spüren lassen.

Damit wir in den nächsten Tagen nicht weiter sinnlos rumhängen, haben wir Ted angeboten, sein Boot, welches auf dem Hof draußen stand, zu streichen. Er hatte es gekauft, repariert und restauriert. Ein Anstrich fehlte aber noch, bevor der Motor angebaut werden konnte. Leider ging das aber nicht, weil Ted keine Farbe dafür hatte. Und um diese zu besorgen, muss man hier wohl ca. einen Monat warten. Tolle Wurst. Da wir nicht weiter in der Luft hingen wollten, sind wir gegen 11 Uhr in das Restaurant nebenan gegangen und haben dort Kaffee getrunken. Gegen 12 Uhr haben wir uns dann vom Acker gemacht.

Wir sind mit dem Moped in ein weiteres Fitnessstudio gefahren, um uns hier über Kurse und Preise zu informieren. Das Mai Gym hat uns sehr zugesagt und wir hatten vor, hier mal vorbei zu schauen. Über die Zeit ist das aber nie passiert, da wir durch die negativen Erfahrungen hier leider immer mal wieder ziemliche Durchhänger hatten. Es war schwer sich jeden Tag zu motivieren. Nach dem Fitnessstudio sind wir in den Süden der Insel gefahren, denn hier sollte es die schönsten Strände geben. Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde und wir mussten einen größeren Berg in der Mitte der Insel überqueren. Da oben hat es geregnet und es war sogar etwas kalt. Am bekanntesten ist hier der Paradise Beach, welcher aus dem Film Return To Paradise mit Gary Cooper bekannt ist.

Wir sind dann am Ocean Club an einem der südlichen Strände angekommen, um etwas zu essen. Joe, eine Tauchlehrerin, die ebenfalls bei Ted und Karin wohnte, hatte uns den Laden empfohlen. Es gab Taro-Chips, Fisch und eine Art Chilli. Die Taro wird auch Wasserbrotwurzel genannt und ist eine Delikatesse in ganz Polynesien. Sie hat hier die gleiche Bedeutung, wie die Kartoffel in Deutschland. Uns hat sie immer sehr gut geschmeckt. Nach dem Essen haben wir dann einen der Strände hier abgelaufen und die Ruhe genossen. Immer wieder haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie es hier weiter gehen soll.

Danach wollten wir zum einem der bekanntesten Resorts hier fahren. Es hieß Coconut Beach Resort. Als wir mit dem Moped los gefahren sind, haben wir uns mit dem Ding fast auf den Schotter gelegt. Wir mussten an diesem Tag erfahren, dass die vielen frei laufenden Hunde auf Samoa extrem aggressiv sind. Direkt nach dem Losfahren wurden wir von drei Hunden auf einmal verfolgt. Die haben uns durch die ganze Auffahrt gejagt und auch fast gebissen. Nur knapp sind wir entkommen und haben uns dabei eben fast mit dem Moped gelegt. Der Schotter war rutschig und wir mussten die Bein hochziehen, damit wir nicht gebissen werden. Das war mehr als grenzwertig!!! Der Schock saß tief und wir haben uns von der Straße erstmal einen Knüppel besorgt, den Kathi dann beim Fahren immer in der Hand gehalten hat. Denn wir sollten auf Samoa nahezu jeden Tag von Hunden angegriffen werden. Und mit dem Stock wollten wir uns verteidigen. Beim Spaziergang am Coconut Beach Resort konnten wir uns wieder etwas beruhigen. Später sind wir im Regen zurück in unser Haus gefahren, um etwas abzuhängen.

Am nächsten Tag verlief unsere Arbeit bereits mit einer derartig guten Routine, dass wir noch eher fertig waren, als sonst. Aus Langeweile hatten wir beschlossen, die gesamten Fenster vorn im Laden zu putzen. Ich kannte noch den Trick mit dem Zeitungspapier aus meinen Zeiten bei der Bundeswehr. So gab es dann auch keine Streifen auf den Fenstern. Kathi hat die rechte Seite und ich habe die linke Seite des Ladens geputzt. Die Leute hier waren an diesem Tag etwas entspannter, als sonst. Das lag daran, dass Karin für 10 Tage in Australien war, um ihre Familie dort zu besuchen. Anscheinend war sie hier nicht sehr beliebt. Selbst Ted war nun etwas besser gelaunt. Endlich ist die Alte weg, wird er sich gedacht haben 😉 Ben und Pentacoso haben uns immer wieder gefragt, wie lang Karin weg ist. Und als wir bestätigt hatten, dass es knapp zwei Wochen sein sollen, haben sie sich immer wieder gefreut. Das war schon echt witzig.

Nach dem Mittagessen im Coffee Bean Restaurant, sind wir wieder los gezogen und haben die Insel weiter erkundet. Wir haben den Flea Market in Apia besucht, um ein paar Souvenirs zu finden. Der Markt war leider nichts besonderes, da wirklich jeder das Gleiche verkauft hat. Es gab Magnete, Schmuck, verschiedene Holzarbeiten und Klamotten. Bei den Klamotten haben uns die Verkäufer immer gesagt, dass es sich dabei um amerikanische Qualität handelt. Das machen die, weil sie denken, dass Amerika die Shirts selbst herstellt. Die hören das wohl von der Nachbarinsel Amerikanisch-Samoa. Was sie aber alle nicht wissen, ist, dass die Klamotten eben zu 99% aus Asien kommen. Aber hey, die waren hier alle super gut drauf und unglaublich freundlich. Wir haben angefangen Samoa mehr und mehr zu genießen, denn die Einheimischen sind wirklich unglaublich freundlich. Das tat richtig gut…

Unsere nächste Station an diesem Tag waren die Papase‘ea Sliding Rocks. Es handelte sich hier im große Gesteinsformationen, an denen viel Wasser entlang fließt. Und als Besucher kann man an den Steinen entlang nach unten in verschiedene Schluchten rutschen. Man fällt dann in eines der Becken. Dieser Ort befindet sich etwa 15 Minuten von der Hauptstadt Apia entfernt. Der Legende nach handelt es sich hier um den Pool von Telesa. Sie hat hier immer mit ihren vielen Vögeln ein Bad genommen. Außerdem war dieser Ort ein Treffpunkt für Telesa und ihre Freundinnen. Sie alle sind weibliche Geister, die hier „gelebt“ haben sollen. Natürlich hatten diese „Mädels“ auch alle einen Freund, die Taasaualii genannt wurden. Zusammen haben sie hier Lieder gesungen. Aber niemand hat sie je gesehen. Man konnten sie immer nur hören. Telesa ist heute eine Bezeichnung für Frauen in Führungspositionen.

Wir zahlten einen kleinen Eintritt und eine lange Treppe führte uns direkt ins Paradies. Wir waren hier fast allein und haben die Ruhe, die Sonne und die Moskitos sehr genossen. Ein paar Leute aus Deutschland und aus Tschechien haben wir auch kennen gelernt. Und natürlich sind wir an einer Stelle auch mal entlang nach unten gerutscht. Wir haben uns aber nur getraut, die kurze Strecke zu rutschen, da uns die große Strecke zu gefährlich aussah. Die Becken, in die man hier rein rutschte, waren nicht sehr tief und es hätte etwas schief gehen können. Das wäre dann ärgerlich gewesen. An diesem Tag hat sich niemand an die große Strecke ran getraut. Später am Tag sind wir noch etwas einkaufen gegangen und haben daheim eine Unterkunft auf der Nachbarinsel Savai‘i gebucht. Am Wochenende wollten wir hier ein paar Tage verbringen.

Am nächsten Tag sind wir wie gewohnt unserer langweiligen Arbeit nach gegangen. Ich habe Ted darauf angesprochen, dass er für unseren Einkauf zahlen soll, da wir dies ja vorab so besprochen hatten. Er meinte nur, dass er das nicht macht und wir im Gegenzug weniger arbeiten sollten. Wir haben das einfach nicht verstanden. Anfangs meinte er, dass er uns braucht, um sein Leben leichter zu machen. Und jetzt sollen wir weniger arbeiten? Weniger, als jetzt schon? Uns lief das auch aus Geldgründen nicht gut rein, denn wir wollten ja hier nicht so viel ausgeben. Und nun mussten wir weniger arbeiten und uns auch noch selbst versorgen. Gut, wir hatten keine andere Wahl und haben das Angebot angenommen. Kathi hat nun genau geplant, wann wir wie lange arbeiten. Das gefiel ihr gut.

Als wir dann aufgrund der neuen Abmachung eher gehen wollten, kam per Funk von Ted die Aufgabe, dass wir sein Auto putzen sollen. Was ein Arschloch!!! Sorry für die Worte, aber das war pure Absicht. Er wusste, dass wir die meiste Zeit in der Luft hingen und kurz vor Feierabend, hat er uns diese Aufgabe rein gehauen. Egal, wir haben in den sauren Apfel gebissen und seine mehr als kaputte Karre geputzt. Von außen und auch von innen. Als wir fertig waren, kamen die Taucher zurück und wir mussten nun noch deren Ausrüstung putzen und die Tanks tauschen. Die heutigen Überstunden sollten wir uns an einem anderen Tag selbst frei geben. Kathi war an diesem Tag richtig pissig auf Ted.

Nachdem wir endlich Feierabend hatten, haben wir uns beide eine riesige Pizza rein gezogen. Das tat gut. Wir haben beim Essen einen Schlachtplan entworfen, wie wir künftig mit Ted und auch mit Joe, der Tauchlehrerin umgehen sollten. Wir werden den Spieß umdrehen und mit denen unser Spiel spielen. Die haben sich hier mit den falschen Leuten angelegt. Teamwork gab es für uns nur mit Ben und Pentacoso. Aller anderen konnten uns mal Kreuzweise. Vor allem Joe, die absolut NICHTS von dem wissen wollte, was wir mit Ted vereinbart hatten. Alles klar, das kannst du haben. Da bist du vor allem bei mir an der richtigen Adresse. Diese blöde Fuddel!!!

Nach der Pizza wollten wir zu einem Cave Pool fahren. Auf halber Strecke hat es aber so stark angefangen zu regnen, dass wir wieder umkehren mussten. Wir sind nochmal in einen Supermarkt gefahren und mussten hier warten, bis der Regen aufgehört hatte. Als wir später daheim waren, haben wir Ted ganz klar die kommenden Arbeitstermine kommuniziert, damit er für unsere gesamte Aufenthaltszeit wusste, wann wir in den Laden wie lang kommen sollten. Daran war dann nichts mehr zu rütteln und wir konnten unsere freie Zeit hier entsprechend planen. Kathi war an diesem Tag so sauer auf den Typen, dass ich mit ihm gesprochen habe. Er wusste nun auch, dass wir am kommenden Wochenende überhaupt nicht da sein werden. Viel Spaß beim Arbeiten, du Penner.

Ich einem ruhigen Ton habe ich ihn mal darauf angesprochen, dass wir es schade finden, dass er uns so wenig Informationen darüber gibt, wie wir ihm helfen können. Ich habe ihm erklärt, dass ich verstehe, dass er jemanden braucht, der sein Leben leichter macht, da er einfach die ganze Zeit gestresst ist. Ich habe seinen Stress gesehen. Er ist selbst Schuld dran, weil er so viele Baustellen hat und nichts zu Ende bringt. Dadurch werden seine Aufgaben immer mehr. Er ist halt einfach so und die Dinge wachsen ihm immer schneller über den Kopf. Ich kenne solche Menschen durch meine Arbeit nur zu gut und habe absolutes Verständnis dafür.

Ich habe nun vorsichtig versucht mich an ihn heran zu tasten, aber er hat alles geblockt. Es ging so weit, dass er mich fragte, ob ich denn die Arbeit nicht sehen könnte. Da hat er bei mir einen wunden Punkt getroffen, denn ich sehe Arbeit. Ich arbeite sehr gern und das war auch der Grund, warum wir überhaupt hier waren! Nur lässt er es eben nicht zu, dass man ihm hilft. Er meinte noch, dass er extrem viel Hilfe braucht, aber auch nicht weiß, wo. Ja was denn jetzt??? Er schlug daher vor, dass wir mal an einem Tag seinen Rasen mähen sollen. Aha!!! Ich fragte nach einer Liste mit Aufgaben, damit wir mal ein paar Anhaltspunkte haben. Er meinte, dass dies eine gute Idee ist. Die Liste sollten wir aber nie bekommen.

Das Problem hatte er z.B. mit Joe nicht. Warum? Nun, die wuselt immer irgendwie mit irgendwas rum, wenn er gerade schaut. Dadurch denkt er, dass sie produktiv ist. Oh man, ich habe mir ihren Mist genau angesehen und die Uschi war genauso faul, wie wir. Oh, Ted kommt. Ich räume mal schnell ein paar Sachen vom Schreibtisch weg. Was für eine falsche Frau!!! Ich musste meine Wut über Ted an diesem Tag wirklich runter schlucken. Wenn das in Deutschland in meiner Arbeit passiert wäre, dann hätte ich dem Typen mal was gehustet. Aber ich wollte hier nicht noch mehr Ärger herauf beschwören. Das war schwer, denn ich wusste, dass wir hier jederzeit einfach ausziehen und woanders hätten hingehen können. Aber aufgeben war noch nie mein Ding. Jetzt erst Recht nicht. Denn ich hatte die Vermutung, dass Ted genau das wollte. Er wollte, dass wir aufgeben und gehen. Warum? Das haben wir leider nie erfahren…

Wir freuten uns nun auf die Nachbarinsel Savai‘i, auf der wir ein nettes Resort gebucht hatten. Endlich raus aus dem Dreckstall hier…

Upolu, Teil 1, Samoa
Savai'i, Samoa

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.