Tokio, Teil 3, Japan

Mit dem GoKart durch die größte Stadt der Welt…

Gleich morgens ging es für uns von Hiroshima zurück nach Tokio. Wir sind ein letztes Mal mit dem Shinkansen gefahren. Am frühen Nachmittag sind wir angekommen und haben gleich wieder das Mustard Hotel in Asakusa bezogen. Wir mochten diesen Ort einfach und freuten uns schon auf den Onsen, den wir hier am Abend wieder nutzen wollten. Dieses Mal hat man uns im siebten Stock des Hostels einquartiert. Nach dem Check-in ging es natürlich gleich wieder in unsere Lieblings-Ramenbude namens Ramen-tei, wo wir wieder nach Herzenslust geschlemmt haben. Man, das war so unglaublich lecker dort. Danach sind wir etwas durch die Einkaufsstraße um die Ecke gebummelt, um Postkarten zu kaufen. Kathi schickt aus jedem Land immer einige Postkarten durch die Welt. Die meisten davon gehen an ihre Neffen und ihre Nichte. Also eine davon geht nach South Carolina und eine nach Regensburg. Die Kleinen können dann mithilfe ihrer Eltern auf einer Weltkarte sehen, wo sich die gute Tante Kathi gerade aufhält. Danach haben wir etwas im Hostel entspannt und darauf gewartet, dass es endlich dunkel wird.

Mit der Bahn ging es dann endlich in den Stadtteil Akihabara. Hier sind wir zu den Jungs von Maricar gegangen, wo wir eine Nachtfahrt mit deren GoKarts durch Tokio machen wollten. Wir haben jeder 6000 Yen bezahlt und die übersetzten Führerscheine abgegeben. Nun konnten wir uns ein Kostüm aussuchen, dass wir während der Fahrt tragen wollten. Früher konnte man hier Charaktere aus den Mario-Spielen von Nintendo nehmen, aber aus Lizenz-Gründen ist das leider nicht mehr möglich. Schade, denn Kathi wollte Mario sein und ich hatte mich auf Yoshi gefreut. So ist Kathi eben als Ted aus dem Thunderbudy-Film gefahren und ich habe mich für eine Manga-Figur entschieden, deren Namen ich nicht kannte. Schande über mich. Da wir noch genug Zeit hatten, haben wir entsprechend viele Quatsch-Bilder gemacht.

Als die anderen Gäste, die mit uns fuhren, eingetroffen sind, gab es erstmal eine Einführung. Dazu mussten wir wissen, wie das Auto zu fahren ist und wo dort alles ist. Blinker, Licht, Handbremse usw. wollten während der Fahrt durch das dunkle Tokio ja benutzt werden. Das Wichtigste war aber, dass wir immer hintereinander fuhren und darauf achteten, was unser Anführer für Handzeichen gab. Entweder signalisierte er uns, dass wir hintereinander bleiben oder an einer Ampel auch mal nebeneinander stehen sollten. Die Einführung dauert ca. 15 Minuten und war vor allem für unsere chinesischen Gäste nicht unwichtig. Die waren aufgeregt, wie kleine Kinder, die auf den Weihnachtsmann warten. Und nervös waren sie auch, da sie hier mit einem Auto durch eine der größten Städte der Welt fahren sollten.

Tja, was sollen wir zu dieser Fahrt anderes sagen, als: MACHT DAS UNBEDINGT AUCH MAL!!! Es war ja sowas von irre geil durch das hell beleuchtete Tokio zu heizen. Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht. Unser Anführer hat dabei viele tolle Fotos gemacht, während meine GoPro auf dem Kopf für entsprechendes Videomaterial sorgte, welches ihr später in unserem Japan-Video sehen könnt. Fakt ist, dass dieser Veranstaltung das Coolste war, was wir in ganz Japan gemacht haben. Tokio ist eben mit Abstand auch die coolste Stadt in diesem Land.

Nachdem die Fahrt zu Ende ging, haben wir unterwegs ein paar Kleinigkeiten gegessen und ein letztes Mal die billigen Alkopops genossen. Zu futtern gab es diese ekligen Corndogs aus dem 7-Eleven. Und so sind wir später ins Hostel, haben den Onsen gemütlich genossen und sind glücklich und zufrieden eingeschlafen. Am nächsten Tag sollte es abends mit dem Flieger für eine kurze Nacht nach Auckland gehen, um dann weiter nach Samoa zu reisen. Unsere erste Erfahrung mit dem Anbieter Work & Travel stand an. Wir haben uns dort registriert, um bei einer Familie, die auf Samoa lebt, zu arbeiten. Als Gegenleistung waren Kost und Unterkunft frei. Wir wollten die volle kulturelle Erfahrung aufsaugen und können euch jetzt schon sagen, dass hier ALLES anders kam, als wir dachten…

Zusammenfassung

Auf Japan blicken wir heute mit gemischten Gefühlen zurück. Fangen wir mal mit den geilen Sachen an:

1. Tokio ist mittlerweile zu einer unserer absoluten Lieblingsstädte geworden. Wir hatten hier eine unglaublich tolle Zeit und wir können jedem nur empfehlen, bei einem Besuch hier genug Zeit einzuplanen. Eine Woche wäre auf jeden Fall gut, denn es gibt viel zu viel zu sehen.

2. Dann ist natürlich das japanische Essen der Oberwahnsinn. In keinem anderen Land war die Küche abwechslungsreicher und besser, als hier. Japan hat so viel mehr als Sushi bieten. Allein die Backkünste der Japaner sind krass. Die können locker mit uns Deutschen mithalten. Vor allem beim Weißbrot, was immer akkurat auf dem Millimeter genau geschnitten wurde. Und diese vielen süßen Teilchen waren unbeschreiblich köstlich. Melon Pan und wie das alles hieß. Ihr seht, ich schwelge gerade in Erinnerungen. Bei einem Besuch in einem Restaurant gibt es kostenloses Trinkwasser und ein heißes Handtuch zum Reinigen der Hände und das Gesichts. Diese Tradition mochten wir sehr.

3. Dazu kam noch die Tatsache, dass die Toiletten hier so abgefahren krass sind. Die „Unterbodenwäsche“ ist einfach nur geil und die Dinger kommen uns auch mal ins Haus, falls wir mal Eigentum haben sollten. Einfach nur klasse, sowas!!! Toilettenpapier ist einfach nur überflüssig.

4. Die Hostelszene ist ebenfalls zu empfehlen. Über Kapsel-Hostels bis zu Luxus-Hostels ist alles dabei. Die Preisspanne pro Bette beginnt bei 15 Euro und kann ziemlich heftig nach oben schnellen. Also recherchiert vorher ein wenig. Nervig sind nur die rücksichtslosten japanischen Gäste, die ihre Sachen in 1000 Plastiktüten verpacken, wenn alle anderen noch schlafen. Mit denen kann man aber reden. Oder raus schmeißen 😉

5. Der öffentliche Nahverkehr mit dem Shinkansen ist zwar im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern recht teuer, dafür aber zu 100% zuverlässig. Hier kommt kein Zug zu spät. Die Schaffner in den Zügen verbeugen sich vor jeden Wagon beim Ein- und Austreten. Der aktuelle Shinkansen schafft angeblich eine Höchstgeschwindigkeit von 375 km/h. Ab 2027 soll es eine neue Variante geben, die bis zu 600 km/h schaffen soll. Damit kann die Strecke von Tokio nach Nagoya in 40 Minuten zurück gelegt werden. Das schafft man nicht mal mit einem Flugzeug. Außerdem sind bereits vermehrt elektrische Taxis unterwegs. Die Luft in Tokio nimmt das dankend an.

Und jetzt gehen wir mal auf ein paar negative bzw. nervige Aspekte des Landes bzw. der Leute an:

1. Die meisten Leute / Angestellten machen hier nur, was ihnen gesagt wird. Die sind wie Maschinen und denken nicht mit. Sie trauen sich auch keine Entscheidung außerhalb des Bereichs zu treffen, in dem sie stecken. Beispiel: Beim Frühstück bekommt jeder Gast ein Würstchen. Fragt man nach einem zweiten Würstchen, sagen sie nein. Nimmt dann aber jemand einfach ein zweites Würstchen, dann sagen sie nichts, da sie nett sein wollen. Das ist total merkwürdig. Auch das Beispiel aus einem der letzten Artikel mit dem Gate zur Bahn zeigt, dass sie nicht mitdenken. Den Menschen hier täte mal ein wenig dieser „Leck mich am A…“ Einstellung gut. Dann wären sie entspannter. Tipp: Die sollen mal nach Südostasien gehen. Da lernen sie das schnell 😉

2. Das Thema Blauflossen-Thunfisch ist schwierig. Wir wissen, dass es viele laute Stimmen gibt, die nicht wollen, dass dieser Fisch weiter konsumiert wird. Er ist vom Aussterben bedroht, gilt aber leider als größte Sushi-Delikatesse hier. Diese gegnerischen Stimmen kommen auch aus Japan, was gut ist, aber wenn man hier durch die Fischmärkte und Sushi-Restaurants läuft, dann wird man mit einem Überangebot an Blauflossen-Thunfisch erschlagen. Es ist unglaublich, welche Mengen hier verkauft werden. Auch im Supermarkt. Das ist leider mehr als traurig und wird sich wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Auch andere Fische, wie z.B. Haie, stehen hier auf dem Speiseplan. Wir haben die gute Haifischflossen-Suppe in Restaurants gesehen:-(

3. Die Kommunikation mit Japanern ist extrem schwierig. Da sie immer alles zu 100% richtig machen wollen, trauen sie sich nicht, mit Fremden zu reden. Ihr Englisch ist vielleicht nicht gut und daher versuchen sie es zu vermeiden. Sie könnten sich ja damit irgendwie bloß stellen. Spricht man die Menschen aber selbst an, dann können daraus tolle Gespräche entstehen. Man muss ihnen nur das Gefühl geben, dass ihr Englisch gut ist. Dann klappt das auch. Mit der Zeit kann das aber auch ermüdend sein. Es ist kaum zu glauben, wie Japan mit seinen extrem schlechten Englisch-Kenntnissen, zu einer Wirtschaftsmacht werden konnte. Da waren die Menschen in Peking ja besser ausgebildet.

4. Das Thema „lange Arbeitszeiten“ und die daraus resultierenden Probleme, haben wir im Artikel über Kanazawa bereits erklärt. Das ist so mit das Schlimmste hier. Die Leute werden schneller depressiv und ziehen sich mehr und mehr zurück. Einige isolieren sich regelrecht. Vor allem in Tokio ist das ein Problem. Es ist wohl auch schwer aufgrund der wenigen Zeit einen Partner zu finden. Und das daraus entstehende Alkoholproblem ist ebenfalls kritisch zu betrachten. Wir können es auch heute immer noch nicht glauben, dass ein Dose mit 500ml Inhalt und 9% Alkoholgehalt für umgerechnet 1,50 zu haben ist. Ein Becher mit 200ml Sake kostet im Supermarkt das Gleiche und ist sogar noch stärker.

5. Die Software, welche beim Straßenverkehr zum Einsatz kommt, ist so ziemlich das Dümmste, was wir je gesehen haben. Da ist man in einer Millionenstadt, wo Autos in einer Anzahl unterwegs sind, die man nicht zählen kann und dann haben die hier kein adaptives System. Jede Kreuzung hat eine Ampel und jede der vier Seiten hat eine Grünphase von ein bis zwei Minuten. Die Wartezeiten an den Kreuzungen sind dadurch irre lang. Und das passiert in jeder japanischen Großstadt so alle 100m. Das wird man doch bekloppt!!!

6. Japaner können nur schwer mit Geld umgehen. Sie fallen auf die einfachsten Marketing-Tricks rein. Der Renner hier ist das Wort „Limited“. Sobald ein Produkt als „Limited“ deklariert wird, kaufen es die Leute. Der Klassiker im Norden war „Hokkaido Limited“. Wir haben da mal zwei Mädels gefragt, warum sie diese Produkte in ihrem Beutel gekauft haben und die haben uns erklärt, dass es eben „Hokkaido Limited“ ist. Achso, klar. Macht Sinn 😉

7. Japaner stehen auf Zettel, vor allem in den Zügen. Jede Zugbuchung und jede Reservierung erfordert ein kleines Zettelchen. Und das steckt man in Vorrichtung im Sitz vor einem. Sieht so ein Technologie-Land aus? Und das Papier bei den unglaublich komplex verpackten Lebensmitteln erwähnen wir hier mal lieber nicht. Da steckt die Packung in der Verpackung der Verpackung. Der Japaner mag es eben hübsch. Und eine sogenannte „Unboxing Experience“ ist eben wichtig. What??

Wir könnten hier noch mehr Punkte anbringen, lassen das aber mal an dieser Stelle. Wir empfehlen auf jeden Fall ein Besuch dieses Landes, da es jeden definitiv umhauen wird. Uns reicht es erstmal, denn aus heutiger Sicht müssen wir hier nicht nochmal an. Vielleicht ändert sich das aber irgendwann mal 🙂

Hiroshima, Japan
Upolu, Teil 1, Samoa

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