Savai’i, Samoa

Endlich konnten wir unser Drecksloch mal für kurze Zeit verlassen…

Wie im letzten Artikel erwähnt, sollten wir nun unsere Arbeitszeit reduzieren, da uns Ted mit den Kosten für unser Essen nicht mehr entgegen kommen wollte. Daher haben sind direkt an dem Freitag in unserer ersten Arbeitswoche daheim geblieben. Wir hatten vorab eine Unterkunft auf Savai‘i, der Nachbarinsel von Upolu gebucht. Savai‘i ist die größte Insel des „west-samoanischen“ Staates. Wir hörten vorab viel Gutes darüber. Vor allem sollte sie deutlich ruhiger, als Upolu sein. Das lag wahrscheinlich daran, dass es hier überhaupt keine größere Stadt gab. Hier leben auch nur knapp 45.000 Menschen. Die Insel ist 70km lang und 40km breit. Also alles sehr überschaubar. Wir freuten uns nun auf ein paar ruhige Tage in einer sauberen Unterkunft.

Um 8 Uhr morgens sind wir in aller Ruhe aufgestanden und haben erstmal gefrühstückt und anschließend unsere kleinen Rucksäcke für das anstehende Wochenende gepackt. Gegen 10 Uhr sind wir mit unserem Moped die knapp 50 km bis zum Hafen gefahren. Von hier aus gab es eine Fähre, die uns nach Savai‘i brachte. Abfahrt war um 12 Uhr und die Kosten waren mit 54 Tala auch überschaubar. Das waren umgerechnet etwas mehr als 18 Euro. Das Moped war dabei der „teuerste“ Kostenpunkt. Die Wartezeit am Pier haben wir an einer der kleinen Imbissbuden verbracht. Hier war auch schon ordentlich was los. Viele samoanische Familien wollten ebenfalls über das Wochenende übersetzen. Ein Schiff namens Lady Samoa hat uns innerhalb einer Stunde nach Savai‘i gebracht. Während wir bei schönstem Wetter gestartet sind, haben wir vor uns bereits eine riesige Wolkendecke gesehen, die über Savai‘i hing. Da wussten wir schon, dass wir im Regen ankommen werden. Wir waren das aber gewöhnt, da es in Samoa jeden Tag für ein bis zwei Stunden regnete.

Wir sind in einem Ort namens Salelologa angekommen und haben aufgrund des Regens den bekannten Marktplatz in der Stadt besucht. Wir hofften, dass es hier etwas mehr Auswahl als in Apia gab. Aber dem war leider nicht so. Es gab die gleichen Sachen zu den gleichen Preisen. Daher fiel unser Aufenthalt hier etwas kürzer aus, als gedacht. Wir sind danach die 70 km in das Savai‘i Lagoon Resort gefahren, welches in Fagamalo im Norden der Insel lag. Es hatte aufgehört zu regnen, aber während der Fahrt fing es immer mal wieder an. Einmal war es sogar so stark, dass wir komplett nass wurden. Da blieb rein gar nichts mehr trocken. Das tat teilweise richtig weh auf der Haut. Aber als wir nach etwas mehr als einer Stunde unser Ziel erreicht hatte, kam die Sonne raus. Was für ein Glücksgefühl. Beim Einchecken hat uns die Dame an der Rezeption ein Upgrade auf einen besseren Bungalow gegeben, was wir natürlich dankend angenommen haben. Und dieser Bungalow war der Hammer. Er war groß, hell, sauber und hatte alles, was wir brauchten. Die Kosten waren mit 100 Euro pro Nacht zwar etwas hoch, aber immerhin war das Frühstück inklusive. Wir haben nach dem Einchecken Glück gehabt, weil wir noch ein Mittagessen bestellen konnten. Kathi hat sich ein Thunfisch Sashimi raus gelassen und für mich gab es Oka. Das ist ein traditionelles polynesisches Gericht, wo roher Fisch mit Zwiebeln und Kokosmilch angemacht wird. Dazu gab es Knoblauch-Brot, frische Kokosnuss und ein Vailima, ein Bier aus Samoa.

Die Aussicht auf das Meer vom Restaurant aus war ein Traum und wir waren einfach nur glücklich und entspannt. Wir haben den Rest des Tages hier verbracht und gegen Abend haben wir den ersten Sonnenuntergang genossen. Wir hatten das Gefühl, dass wir im Paradies waren. Man genießt solche Momente einfach mehr, wenn man vorab eine nicht so gute Zeit hatte. Wir waren dafür sehr dankbar. Später am Abend haben wir uns noch eine Pizza bei einem Restaurant gegenüber gekauft und später sind wir eingeschlafen.

Am nächsten Morgen haben wir beim Frühstück ordentlich rein gehauen. Es gab leckeren Toast mit Marmelade und Erdnussbutter, viel frisches Obst, Kaffee und Eier nach Wunsch. Danach haben wir unsere Sachen gepackt und uns direkt an den Strand gelegt. Das Resort war erschreckend leer, was uns etwas verwundert hat. Immerhin war gerade Hauptsaison. Diese definiert sich dadurch, dass momentan keine Regenzeit war und das in Neuseeland gerade Winterferien waren. Die Leute hier hofften sehr, dass die Flaute bald vorbei ging und wir drückten die Daumen. Denn hier waren alle unglaublich freundlich und auf den Tourismus angewiesen. Samoa ist wohl nicht das beliebteste Ziel der Kiwis. Neben dem Sonnenbaden sind wir natürlich auch mal Schnorcheln gegangen. Das Riff hier war echt toll und wir konnten ein paar coole Videos aufnehmen.

Später am Nachmittag hatten wir beschlossen, die Insel ein wenig mit dem Moped zu erkunden. Unsere erste Fahrt führte uns zu einer Schildkröten-Station, die auf der Karte einfach nur Swimming With Turtles hieß. Wir mussten dort mit Erschrecken feststellen, dass es hier um die zehn Schildkröten gab, die in einem viel zu kleinen und viel zu dreckigen Becken fest gehalten wurden. Man konnte sogar etwas Geld bezahlen, um mit ihnen zu schwimmen. Das haben wir natürlich nicht gemacht, da wir solche Dinge nicht unterstützen. Savai‘i ist bekannt für seine Schildkröten und im offenen Meer kann man problemlos mit ihnen schnorcheln. Also sollten die Einheimischen das lassen. Aber wahrscheinlich waren sie auf das Geld angewiesen. Irgendwie schlimm, sowas.

Bevor wir weiter gefahren sind, haben wir festgestellt, dass ein größeres Teil an unserem Moped locker war und fast abgefallen ist. Es war die äußere Hülle des Luftfilters, den Isaac von Moto Samoa kürzlich noch gewechselt hatte. Der Kollege hat dabei die Schrauben zu fest angezogen, was nun dazu führte, dass die inneren Gewinde nicht mehr verwendet werden konnten. Wir sind die restliche Zeit auf Samoa in diesem Zustand durch die Gegend gefahren. Wir hatten ja keine andere Wahl. Bevor es aber weiter ging, haben wir an einem Haus angehalten, wo drei Kinder davor standen. Sie haben frische Kokosnüsse verkauft, um etwas Geld zu verdienen. Wir konnten dem Lächeln der Kinder einfach nicht widerstehen und haben uns zwei Kokosnüsse gekauft. Wir haben auch etwas mehr Geld bezahlt, da hier alles sehr arm aussah. Da haben sie sich gefreut. Wahrscheinlich haben die Eltern mal wieder die Kinder vor geschickt, da Touristen immer gern bei Kindern kaufen.

Der nächste Ort hieß auf der Karte Saleaula Lava Fields. Wir konnten hier über ein riesiges Lavafeld laufen. Zwischen 1905 und 1911 ist der Mount Matavanu auf Savai‘i immer wieder ausgebrochen. Das muss wirklich schlimm gewesen sein, denn dieser Ausbruch gilt als einer der schlimmsten Ausbrüche des 20. Jahrhunderts. Vor 1905 existierte dieser Vulkan gar nicht. Die Eruption startete aus dem Boden und über die Zeit hat sich der Vulkan erst in die Höhe erhoben. Heute ist er etwas mehr als 700m hoch und gilt noch als aktiv. Die hier bedeckte Lavafläche mit der fest gewordenen Lava beträgt um die 76 km². Für fünf Tala konnten wir den Ort nun besuchen. Es war schon ein komisches Gefühl hier entlang zu laufen. Wir konnten uns gar nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss, als der Vulkan ausgebrochen ist. Und es war verrückt zu sehen, wie nach so einer Katastrophe die Natur wieder anfängt, neue Pflanzen und Bäume wachsen zu lassen.

Bei unserem Spaziergang sind wir nach einiger Zeit zu einem Ort namens Virgins Grave gekommen. Es handelt sich hierbei um ein Grab von einer Nonne oder einem Kind. Das weiß man leider nicht so genau. Während nun der Vulkan über sechs Jahre lang ausgebrochen ist, haben die Lavamassen, welche hier entlang geflossen sind, dieses Grab nicht zerstört. Die Massen sind quasi um das Grab herum geflossen. Die Samoaner glauben, dass die hier begrabenen Überreste so unschuldig und rein waren, dass das Grab aufgrund dessen verschont geblieben ist. Daher wird der Platz Virgins Grave genannt. Das Grab ist heute schön anzuschauen, da wunderschöne Pflanzen daraus wachsen. Und viele bunte Vögel fliegen hier durch die Gegend. Die Ruhe war einfach faszinierend.

Auf unserem Weg zurück über die Lava Fields, haben wir eine alte Kirche angeschaut, die von den Lavamassen komplett zerstört wurde. Heute stehen hier nur noch die Grundmauern. Alles andere ist kaputt und nicht mehr vorhanden. Es handelt sich hierbei um die London Missionary Society Church. Und als wir an der Kirche vorbei gelaufen sind, haben wir eine kleine Bucht erreicht. Hier konnten wir gut sehen, wie die Lava ins Wasser gelaufen ist. Man sieht gut, wie sie sich hier abgekühlt hat und fest geworden ist. Es muss sicherlich sehr interessant sein, hier mal zu schnorcheln, aber wir hatten leider keine Ausrüstung dabei. Also haben wir uns hier etwas ausgeruht, da es an diesem Tag ziemlich heiß war. Danach sind wir wieder zurück ins Resort gefahren. Wir haben noch schnell unser Moped aufgetankt, da wir dachten, dass es am nächsten Tag nicht möglich ist. Der Sonntag ist ja hier so heilig, dass absolut niemand arbeitet. Und wir mussten ja morgen wieder zurück nach Upolu. Den Abend haben wir wieder mit einer Pizza, Bier und der Serie Sons Of Anarchy ausklingen lassen. Der Sonnenuntergang an diesem Tag war besonders schön 🙂

Am nächsten Morgen haben wir zuerst mal ein paar Fotos von unserem Bungalow gemacht. Vor allem das offene Bad ist uns bis heute in Erinnerung geblieben. Es war alles so toll und wir hatten überhaupt keine Lust zurück zu Ted zu fahren. Aber da mussten wir durch. Nun stand das Frühstück an und hier ist mir ein kleines Unglück passiert. Eine kleine niedliche Katze saß bei uns in der Nähe und da ich Katzen liebe, habe ich meine Hand hin gehalten, damit sie mich kennen lernen konnte. Blöderweise war die Katze wohl mit dem falschen Bein aufgestanden und hat mich gekratzt. Da habe ich leider etwas Panik wegen einer möglichen Tollwut bekommen. Wir waren zwar geimpft, aber wir wussten auch, dass es nun hieß, dass ich mich proaktiv mit einer aktiven Impfung versorgen musste. Dann die passive Impfung aus Deutschland verzögert lediglich den Ausbruch und schützt nicht. Einen Schutz gibt es eben bis heute nicht. So ein Mist aber auch.

Bevor es aber ins Krankenhaus ging, sind wir gegen 9 Uhr in eine Kirche der Mormonen nebenan gegangen. Der Pastor hatte uns am Abend zuvor eingeladen, da der Gottesdienst landesweit ausgestrahlt wurde. Wir können mit den Mormonen rein gar nichts anfangen, sind aber hin gegangen, um ihn glücklich zu machen. Als er uns während des Gottesdienstes sah, hat er stolz verkündet, dass heute Gäste aus Deutschland anwesend sind. Blöd war nur, dass alle Samoaner im feinsten Sonntags-Zwirn kamen, während wir im Strandlook auffielen. Wir hatten leider keine anderen Sachen dabei. Das Thema Religion und Kirche ist in Samoa ein Thema für sich. Aufgrund der Kolonialisierung durch die Europäer sind 98% der heutigen Menschen hier Christen. Dabei verteilen sich die Christen auf folgende Kirchen

1. Congregrational Christian Church of Samoa (ca. 35%)
2. Römisch-Katholisch (ca. 20%)
3. Methodisten (ca. 15%)
4. Die Kirche Jesu Christi der heiligen der letzten Tage – Mormonen (ca. 12,5%)
5. Assemblies of God, Seventh-day adventist und andere (ca. 17,5%)

Die Kirche und die damit verbundene Religion spielt für die Menschen hier eine unglaublich große Rolle. Jeden Sonntag gehen sie mehrmals zu einem Gottesdienst und viele der Einheimischen bringen sich auch so gut es geht ein. Von außen betrachtet sieht das Ganze wie eine große Sekte aus. Warum? Nun, nehmen wir mal die Mormonen. Alle Menschen müssen jeden Monat 10% ihres Geldes / Einkommens der Kirche geben. Das ist weltweit so bei diesem Verein. Die Menschen haben nicht viel und geben es dennoch an die Kirche. Dieses Geld kommt nun aber nicht den Leuten hier vor Ort zugute. Es wird in immer krassere und größere Kirchengebäude in ganz Samoa investiert, damit man noch mehr Leute dafür begeistern kann. Die teuerste Kirche hier hat z.B. um die 17 Millionen Dollar gekostet. Ist das wirklich nötig? Da mussten wir gleich diesen Heini namens Tebartz-van Elst aus Deutschland denken.

Es gibt viele Hunderte Kirchen hier auf den samoanischen Inseln. Man kann keinen Kilometer fahren, um nicht an einer Kirche vorbei zu kommen. Wir haben sogar gehört, dass es Gemeinden gibt, die die Namen von Leuten, die kein Geld monatlich geben, in den Kirchengebäuden veröffentlichen. Damit werden sie bloß gestellt und man hofft, diese Menschen dadurch zu motivieren, ihr Geld doch der Kirche zu geben. Wir krank ist das denn bitte??? Wie gesagt, das Thema hat hier einfach einen sehr faden Beigeschmack, aber für die Einheimischen ist es alles, was sie haben. In unseren Augen werden so leider ausgenutzt. Wir haben aber auch gehört, dass sich vor allem jüngere Leute mehr und mehr weigern, hier mitzumachen. Das ist gut, denn dadurch werden endlich mal Diskussionen über dieses Thema angestoßen.

Nach einer halben Stunde haben wir uns aus der Kirche verabschiedet und sind mit dem Moped zum Krankenhaus auf Savai‘i gefahren. Ich habe mein Anliegen an einer Rezeption vorgetragen, aber verstanden hat mich niemand. Damit ich überhaupt einen Arzt sehen konnte, musste eine Akte für mich angelegt werden. Das hat 40 Tala, ca. 13 Euro, gekostet. Dann wurde mein Blutdruck und mein Puls gemessen und die Schwester meinte danach, dass ich gesund bin. Aha!!! Na das war ja einfach. Oh man, was sollte ich da noch sagen. Der Arzt meinte dann nur noch, dass ich ja in der Hauptstadt Apia noch in ein Krankenhaus gehen kann. Was Tollwut ist, hat er aber auch nicht ganz verstanden. Ich musste diesen Umstand nun akzeptieren. Während wir später am Pier auf unsere Fähre warteten, haben wir mal etwas recherchiert. Das Auswärtige Amt bestätigt, dass es in den letzten 20 Jahren keinen Fall von Tollwut auf Samoa gegeben hat. Das beruhigte mich schon mal. Falls ihr euch mit Tollwut nicht auskennt, dann solltet ihr wissen, dass es nach dem Ausbruch der Krankheit keine Heilung mehr gibt. Man stirbt auf jeden Fall!!!

Unsere Fähre ging um 14 Uhr und eine Stunde später waren wir wieder auf Upolu. Die Fahrt mit dem Moped war an diesem Tag ein Traum, da wir an traumhaften Stränden mit tollem türkisfarbenem Wasser vorbei gekommen sind. Gegen 16 Uhr waren wir dann wieder in unserem Dorf. Wir haben an diesem Tag noch unsere Wäsche gewaschen. Zum Glück waren Ted und Joe nicht da. Karin war ja immer noch in Australien.

Am nächsten Tag hieß es dann wieder früh aufstehen, denn wir mussten wieder ranklotzen…

Upolu, Teil 2, Samoa
Upolu, Teil 3, Samoa

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