Sapporo & Jozankei, Japan

Willkommen im Onsen-Paradies…

Die nächste Station in Japan war Sapporo, die größte Stadt der nördlichen Insel Hokkaido. Hier leben knapp zwei Millionen Menschen. Bekannt wurde die Stadt durch die Austragung der Olympischen Winterspiele im Jahr 1972. Dadurch entstand auch eine enge Partnerschaft mit der deutschen Stadt München, die im gleichen Jahr die Olympischen Sommerspiele ausgetragen hat. Da Hokkaido weiter im Norden liegt, sind die Temperaturen hier ebenfalls tiefer, als auf den anderen japanischen Inseln. Das sollte für uns den Vorteil haben, dass wir noch etwas mehr von der Kirschblüte mitbekommen, da diese hier etwas später als im Rest des Landes beginnt. Am meisten haben wir uns aber auf die Onsen gefreut, da diese hier über das ganze Land hinweg bekannt sind. Hier gibt es verschiedene Kurorte, die man während eines Aufenthalts in Sapporo besuchen kann.

Michikusa, unser Gastgeber in Kawaguchiko, hat uns vormittags kostenlos zum Bahnhof gefahren. Nach einem mehr schlechten als rechten Frühstück in einem der Cafés hier, ging es auch gleich los. Wieder mussten wir beide jeweils 25 Euro für den Fujikyo Express bezahlen, um erstmal zurück nach Otsuki zu kommen. Hier sind wir umgestiegen, um nach Shinjuku in Tokio zu fahren. Und von hier ging es dann weiter in Richtung Norden. Weitere Umstiege gab es in Shin-Hakodate und zum Schluss in Hokuto. Wir mussten also vier mal umsteigen, um nach Sapporo zu kommen. Insgesamt waren wir mehr als elf Stunden mit dem Zug unterwegs Am meisten hatten wir uns auf den berühmten japanischen Schnellzug, den Shinkansen, gefreut. Den konnten wir ab der Shinjuku-Station in Tokio benutzen. Dieser hörte auf den tollen Namen Hayabusa 25.

Der Shinkansen war an der Tokio-Station recht schwer zu finden, was uns etwas gestresst hatte, da wir nur wenig Zeit für den Umstieg hatten. Man muss hier wissen, dass der Shinkansen NIEMALS Verspätung hat. Keine Ahnung, wie die Japaner das machen, aber das ist tatsächlich so. Eigentlich steht der Name Shinkansen für das gesamte Streckennetz und nicht für die Züge selbst, aber irgendwie hat sich das eben so etabliert. Die Züge fahren mit einer Geschwindigkeit von bis zu 320 km/h durch das Land. Dadurch können große Strecken in kurzer Zeit zurück gelegt werden. Interessant war hier, dass unser Shinkansen nach dem Umstieg in Hakodate durch einen 53km langen Tunnel unter Wasser gefahren ist. Dieser Tunnel heißt Seikan Tunnel.

Er verbindet die Inseln Honshu und Hokkaido. Es handelt sich hier um den zweitlängsten Eisenbahntunnel der Welt (nur der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz ist länger) und um den zweitlängsten Tunnel im Meer (nur der Eurotunnel ist länger). Japan mag wohl den zweiten Platz 😉 Während der Fahrt haben wir uns die Zeit mit Videoschnitt, Berichteschreiben und mit unserer Kostenkalkulation vertrieben. Dabei fiel uns direkt auf, dass Japan uns finanziell ganz schön weh tut. Nach der Ankunft in Sapporo sind wir mit einem Taxi für etwa 1000 Yen ins 365 Hostel gefahren. Nach dem Check-in sind wir gleich ins Bett. Es war ein langer Tag.

Das Hostel war ziemlich geil. Vor allem waren die Betten so aufgebaut, dass man hinter einem Vorhang ein kleine „Bude“ hatte. Hier gab es sogar Platz für alle Rücksäcke usw., sodass diese niemanden im Gang draußen gestört haben. Das war unglaublich cool. Wir haben hier richtig gut geschlafen, vor allem, weil unsere Rücken durch die Futon-Betten im Michikusa-ya ganz schön gelitten hatten. Es tat gut, mal wieder ein richtiges Bett zu haben. Kathi hat uns nach einem Einkauf im Supermarkt nebenan ein geiles Frühstück gezaubert. Danach sind wir dann durch die Stadt gezogen. Zuerst sind wir im Odori Park gelandet. Hier hat an diesem Tag eine große Demonstration statt gefunden. Wahrscheinlich war es wegen dem 1. Mai, der ja nicht nur in Deutschland für den Tag der Arbeit steht.

Der Odori Park war zu dieser Jahreszeit sehr nett anzusehen. Die ersten Blumen haben geblüht und die Japaner waren, wie immer, fleißig am Fotografieren. Odori bedeutet übrigens übersetzt „große Straße“. Der Park streckt sich über eine Länge von ca 1,5km. Ein Spaziergang hier dauert also einen kleinen Moment. Neben den vielen schönen Pflanzen gibt es auch allerlei Statuen zu sehen. Welche Bedeutung diese haben, wissen wir leider nicht. Das war für uns aber auch nicht weiter schlimm. Immerhin war der Input in Japan bereits riesengroß und wir konnten das Ganze nur schwer verarbeiten.

Am Ende des Parks sind wir am Sapporo TV Tower angekommen. Dieser wurde 1957 erbaut und er ist über 147m hoch. Wie in den meisten Städten ist der TV Tower auch hier ein typische Touristenattraktion. Die 90m hohe Aussichtsplattform haben wir nicht besucht, dafür aber die abgefahrenen Läden im unteren Bereich des Turms. Hier gab es echt ein paar krasse Sachen zu kaufen. In Erinnerung sind uns der Camembert Cheese Cake, der Baumkuchen und T-Shirts mit einem aggressiven Bären namens Melon Kuma geblieben. Dieser repräsentiert wohl die Stadt Yubari City auf Hokkaido. Sie ist für Bären und Melonen bekannt. Daher wurde hier eben der Melon Kuma geschaffen. Und diese Bären-Kreatur mit Melonenkopf sieht ziemlich aggressiv aus 😉

Durch die Stadt ging es weiter zum Clock Tower. Dieses Gebäude wurde 1878 nach amerikanischem Vorbild erbaut. Dadurch unterscheidet es sich stark von den anderen typisch japanisch aussehenden Gebäuden. Unser Ziel war aber der berühmte Fischmarkt von Sapporo, den wir uns auf keinen Fall entgehen lassen wollten. Vor dem Fischmarkt fand aber gerade eine Art Food Truck Festival statt, was wir uns ebenfalls angesehen haben. Die Japaner haben hier nicht nur geschlemmt, sondern vor allem auch jede Menge Sake gesoffen. Und das am frühen Nachmittag. Das war schon irre, was die hier weg getrunken haben.

Der Fischmarkt hat uns eine Spezialität nach der anderen aufgezeigt. Vor allem waren es Speisen, die es wohl nur hier auf Hokkaido gibt. Eine Spezialität ist die haarige Krabbe, welche wir aber aus Kostengründen nicht probiert haben. Das war schon ganz schön teuer hier und wir mussten leider etwas auf unsere Ausgaben achten. Das war das erste Mal auf unserer Reise, dass wir das machen mussten. Und es hat sich irgendwie doof angefühlt. Aber leider muss das manchmal sein. Man kann eben nicht alles haben. Eine weitere Spezialität sind getrocknete Jakobsmuscheln. Es war unglaublich, wie viele Jakobsmuscheln hier verkauft worden sind. Es ist nur schwer vorstellbar, dass es davon genug in den japanischen Meeren gibt. Und die Dinger waren mal ultra teuer!!! Eine Tüte mit 500g getrockneter Jakobsmuscheln hat umgerechnet um die 130 Euro gekostet. Wahnsinn. Und natürlich gab es auch hier unterschiedliche Qualitätsstufen. Wir hatten Glück und durften mal kostenlos probieren. Es ist im Endeffekt wie ein Proteinsnack. Also perfekt für Leute, die auf ihre Ernährung achten. Also auch nix für uns. Mit großen Augen und vielen „Wows“ sind wir weiter über den Markt gelaufen, bis wir dann Hunger hatten.

Es gab mal wieder einen Ramen, der natürlich wieder unglaublich lecker war. Ein Rahmen ist in Japan immer bezahlbar, da sich die Kosten zwischen fünf und zehn Euro bewegen. Wir wollten dann in eine Bar namens Milk Mura, welche aber leider geschlossen hatte. Hier gab es angeblich abgefahrene alkoholische Drinks mit Eis. Probieren konnten wir es leider nicht. Aufgrund der vielen Lauferei, sind wir nach einen Zwischenstopp in einem Supermarkt, wieder zurück ins Hostel gegangen. Dieser Abend sollte einer der schönsten Abende in Japan werden. Wir haben eine Französin kennen gelernt, die sich ebenfalls gerade auf einer Weltreise befand. Dazu kam noch ein französischer Koch, der uns ein wenig die Welt von Sushi und Kobe Beef erklärt hat (dazu kommen wir im Artikel über Kyoto nochmal). Und dann gab es da diese zwei japanischen Schwestern, die uns permanent zum Lachen gebracht haben. Wir haben dazu leider nur ein Bild aber extrem viel Videomaterial, was wir euch später in unserem Video über Japan zeigen werden. Die beiden haben uns u.a. gezeigt, was Japaner zum Frühstück essen. Das Gericht hieß Natto.

Dieses Gericht besteht aus Sojabohnen und wird meistens mit Reis gegessen. Die Bohnen werden gekocht und im Anschluss daran mit Bakterien fermentiert. Dadurch riechen sie schon mehr als merkwürdig. Die Bohnen selbst bilden eine Art Schleim, der beim Essen lange Fäden zieht. Da sieht einfach nur widerlich aus. Wir haben es alle mal probiert, aber niemand mochte es wirklich. Eine Portion kostet im Supermarkt auch nur knapp einen Euro. Dazu hat eine Angestellte des Hostels noch eine Flasche japanischen Wein gekauft. Die beiden Mädels hatten vorher noch nie Alkohol getrunken. Umso lustiger war es für uns zu sehen, wie es ihnen beim ersten Mal geschmeckt hat. Ihr hättet mal ihre Gesichter sehen sollen 😉 Ansonsten haben wir viel über Animes, animierte Filme nach Vorlage japanischer Manga Comics, philosophiert. Da kannte ich mich dann wieder aus 🙂

Eine Sache haben uns die Mädels noch erzählt, die uns sehr nachdenklich gemacht hat. Die Ältere der beiden Schwestern war eine Art Versicherungsangestellte. Wir wollten mal verstehen, wie es ist, in Japan zu leben und was hier so verdient. Sie erzählte uns, dass sie ca. 130.000 Yen im Monat verdient. Das sind etwas mehr als 1000 Euro. Nach allen Abzügen, wie Steuern, Auto usw. bleiben ihr noch um die 350 Euro. Und da war noch keine Wohnung dabei. Dadurch wohnte sie noch bei ihren Eltern, was wieder mal aufzeigt, dass sich Familien auch in Japan gegenseitig unterstützen müssen. Obwohl Japan eine der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt ist, ist es nicht jedem Bürger möglich, eigenständig zu leben. Wie kann denn das bitte sein? Gut, das gilt in Deutschland z.B. für den Frisör-Beruf, was ebenfalls eine absolute Schande ist. Diese Mädels können sich z.B. auch keinen Shinkansen leisten, weil dieser Zug für Japaner unglaublich teuer ist. Sie waren erstaunt, wie oft wir mit dem Shinkansen unterwegs sein sollten. Das hat uns mal wieder sehr nachdenklich gemacht. Und es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir solche negativen Aspekte über Japan erfahren sollten.

Der nächste Morgen war sehr spät, da wir mit den japanischen Mädels abends sehr lange zusammen saßen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem späteren Ramen zum Mittag, ging es für uns weiter in die Schokoladenfabrik von Sapporo. Mit der Bahn sind wir hier problemlos hin gekommen und der Japan Rail Pass konnte ebenfalls verwendet werden. Vom Bahnhof war es ein kleiner Fußmarsch zur Fabrik, die aufgrund der immer noch andauernden Golden Week extrem gut besucht war. Überall gab es Kindergeschrei und auch wir beide sind auch wie kleine Kinder durch diese bunte Welt gerannt. Wir haben beobachtet, wie Mitarbeiter hier handgemachte Bonbons hergestellt haben und später haben wir uns mit einer lokalen Spezialität belohnt. Es handelte sich um die Longue de Chat. Übersetzt heißt das „lange Katze“ oder auch „Katzenzunge“. Es handelt sich dabei um zwei dünnen Kekse, die in der Mitte weiße Schokolade hatten. Quasi wie ein dünnes Sandwich. Wir haben sie gekauft, probiert und für ok befunden. Was besonderes waren die Kekse nun echt nicht. Aber auch hier machen die Japaner wieder ein riesen Tamtam drum. Jeder Keks ist in der großen Packung wieder mehrfach einzeln verpackt. Dieser Müll hier nervt einfach nur!

Danach sind wir wieder in einen Supermarkt um die Ecke gegangen, um unser Abendessen zu kaufen. Wieder war es der Wahnsinn, was es hier zu kaufen gab. Wir haben uns mit jeder Menge Sushi, Edamame und Sapporo-Bier eingedeckt. Das Bier war nicht besonders gut, dafür aber das Sushi. Ein schlechtes Gewissen hatten wir wegen dem vielen Plastikmüll. Wenn man aber in den japanischen Supermärkten einkauft, dann lässt sich das zu keiner Zeit vermeiden 🙁

Am letzten Tag auf Hokkaido ging es für uns mal raus aus Sapporo. Wir sind mit dem Bus in einen Ort namens Jozankei gefahren. Dieser Kurort hatte einige tolle Onsen und das wollten wir ausprobieren. Der Kappa Liner hat uns gefahren. Cool war es, dass wir für 2000 Yen pro Person einen Tagespass kaufen konnten. Darin war die Busfahrt und der Aufenthalt in einem Onsen unserer Wahl enthalten. Die Busfahrt hätte sonst 700 Yen einfach und die Onsen zwischen 1000 und 1500 Yen gekostet. Der Ort liegt im Shikotsu Toya National Park. Wir waren unglaublich gespannt auf das, was kommen sollte. Allerdings war die Fahrt mit dem Bus sehr ernüchternd. In ganz Sapporo und auch auf der Straße nach Jozankei war nur Stau. Und auch die Japaner beherrschen das Reißverschlussverfahren zu keiner Zeit. Was richtig dämlich ist, ist die japanische Ampelschaltung. Erstmal hat wirklich JEDE Kreuzung eine Ampel und das System dahinter ist nicht adaptiv. Das bedeutet, dass jede Seite mindestens eine Minute lang eine Grünphase hat. Und das bedeutet, dass man an der falschen Stelle mal mehrere Minuten warten muss, bis man selbst wieder grün hat. Sowas in einem Technologieland wie Japan ist mehr als dämlich. Und das war nicht nur in Sapporo so. Und Kreisverkehre kennen die auch irgendwie nicht.

Wie auch immer, wir sind dadurch extrem spät in Jozankei angekommen und sind diesen kleinen aber feinen Ort erstmal gemütlich abgelaufen. Die Berge um uns rum haben hier alles in ein wunderschönes Licht getaucht und wir haben endlich mal wieder die Sonne auf unserer Haut genießen können. Das Wetter hier im Norden war sonst immer recht regnerisch. Nach einem Ramen zum Mittagessen, sind wir dann in einen der Onsen gegangen. Da die Öffnungszeiten hier auch sehr bescheiden sind, hatten wir dafür nur noch eine knappe Stunde Zeit. Das war aber ok für uns. Dieser Onsen war echt der Knaller. Nicht nur gab es verschiedene Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, Mineralien und Sauerstoff – hier gab es vor allem ALLES für die Körperpflege. Ich selbst habe mir hier die Zähne geputzt und mich nass rasiert. Rasierer und Zahnbürste waren ebenfalls inklusive. Es gab tolle Hautlotionen und sogar Hair Tonic. Sowas habe ich noch nie benutzt, mache ich auch nicht mehr. Bringt alles nix.

Nach einem weiteren Spaziergang durch den Ort, wo wir auch noch ein Fußbad genossen haben, ging es mit dem Bus wieder zurück nach Sapporo. An unserem letzten Abend hier, sind wir nochmal etwas durch die Stadt geschlendert und haben später leider ein nicht so gutes Abendessen gefuttert. Das war irgendwie meine Schuld, da ich mal Bock auf was anderes hatte. Das Restaurant hatte irgendein ekliges Rindfleisch Curry und das Fleisch hat uns an das Zeug aus dem Sukiya erinnert. Es war genau das Gleiche, nur als Curry. Pfui pfui. Dafür hat später das Buchweizeneis etwas entschädigt.

Tja, und so vergingen unsere Tage auf der Insel Hokkaido wie im Flug. Irgendwie schade, denn wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Und man kann hier noch so unglaublich viel machen. Die nächste Station für uns war die Stadt Kyoto, die alte Hauptstadt Japans. Wir hatten vorab gehört, dass es hier sehr touristisch sein soll, aber dennoch wollten wir uns selbst ein Bild davon machen. Und Kathis Geburtstag stand auch kurz bevor…

Kawaguchiko & Mount Fuji, Japan
Kyoto, Japan

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