Osaka, Japan

Die hellste Stadt bei Nacht…

Mit dem Thunderbird ging es am nächsten Morgen nach Osaka. Die Fahrt hat ca. 2,5 Stunden gedauert. Im Zug haben wir wieder Berichte geschrieben, den Videoschnitt voran gebracht und Kathi hat wieder fleißig gelernt. Ist schon krass, wie sie das neben der Recherche für die Orte, die wir besuchen, immer wieder fertig bringt. Während sie weiterhin total ausgeglichen durch die Gegend reiste, war ich im Kopf bereits total platt. Ich fühlte mich einfach nur noch erschöpft und nicht in der Lage, noch irgendwelche Informationen aufzunehmen. Geschweige denn die Bilder einer neuen Stadt. Genauer gesagt, einer der größten Städte von ganz Japan. Mit ca. 2,7 Millionen Einwohnern, ist Osaka die drittgrößte Stadt von Japan. Gleich nach Tokio und Yokohama. Im Ballungsgebiet Keihanshin, welches Osaka, Kyoto und Kobe erfasst, wohnen um die 17,5 Millionen Menschen. Hier ist alles einfach so unfassbar groß. Und für viele Leute, die hier wohnen, ist Osaka die Hauptstadt von Japan. Zumindest verkaufen sie T-Shirts, auf denen das steht 😉

Nach unserer Ankunft am Bahnhof von Osaka, hat es erstmal ewig gedauert, bis wir den Ausgang gefunden haben. Dieser Bahnhof ist der größte Bahnhof, den ich je gesehen habe. Es ist wie eine eigene Stadt, denn hier drin gibt es nichts, was es nicht gibt. Das überforderte mich sehr, vor allem bei dem Menschenmassen, die sich hier durch gedrückt haben. Einige Zeit später haben wir das Drop Inn Hostel bezogen, welches nicht allzu weit weg vom Bahnhof lag. Wir konnten gleich einchecken und unsere Sachen verstauen. Da es hier nur ein sehr kleines Schließfach gab, mussten wir unsere Wertsachen in den kleinen Rucksäcken lassen und ein Vorhängeschloss an die Reißverschlüsse machen. Nebenan war gleich ein Ramen-Restaurant, wo wir unser Mittagessen verdrückt haben. Nun konnte es los gehen. Wir wollten Osaka erkunden.

Kathi hatte etwas Mitleid mit meiner Matschbirne und hat die Tour für den heutigen Tag ruhig angehen lassen. Das fällt aber in so einer Millionen-Metropole wie Osaka nicht gerade leicht. Mit dem Zug sind wir zu Tennoji Station gefahren, denn im Essensbereich dieses Bahnhofs, gab es eine sehr bekannte Bäckerei namens Rikuro-ojisan. Diese ist dafür bekannt, den berühmten Käsekuchen von Osaka zu backen. Wir haben uns den ganzen Prozess hier angeschaut. Eine große Maschine verrührt die geheimen Zutaten für den Kuchen. Die Masse wird dann in kleine Formen gegossen, die im unteren Teil mit Rosinen ausgelegt worden sind. Dann kommt das Ganze kurz in den Ofen und fertig. Verkauft wird der Kuchen dann in entsprechenden Kartons aus Pappe. Wir haben einen ganzen Kuchen gekauft und wollten diesen später im Hostel essen. Witzig ist, dass der Kuchen ziemlich doll wackelt, wenn man ihn schüttelt. Also fluffig war er schon mal.

Vorbei an extrem lauten Baustellen und vielen Hochhäusern, ging es weiter in den Tennoji-Park. Hier kann man etwas entspannen und die Aussicht auf die Stadt genießen. Nach der Ruhe im Park, hatte Kathi die Idee, den Stadtteil Sinsekai bzw. Shinsekai zu besuchen. Dieses Viertel wurde um 1912 nach dem Vorbild von New York und Paris erschaffen. Doch nach den starken Zerstörungen während des 2. Weltkriegs, wurde hier nur wenig investiert. Dadurch wurde die Gegend sogar zu einer der ärmsten Gegenden Japans. Es gilt auch als gefährlichster Ort in Osaka. Läuft man heutzutage hier durch, dann wird man von den vielen Restaurants regelrecht erschlagen. Und viele dieser Restaurants haben Figuren und Maskotchen vor der Tür stehen. Diese haben uns zu einigen Quatsch-Bildern verleitet. Der Stadtteil präsentiert sich außerdem extrem bunt, laut, überlaufen und versaut. Warum versaut? Nun, hier gab es immer mal wieder solchen Greifarm-Automaten, die mit dem Joystick bedient werden konnten. Und da kann man „sexuelle Produkte“ angeln. Reicht das als Antwort? Und die Spielhallen durften natürlich auch hier nicht fehlen.

Nach der Fahrt zurück zum Hauptbahnhof, haben wir krampfhaft versucht, dort drinnen ein Restaurant zu finden. Das war irgendwie unmöglich. Wir haben es sogar geschafft, uns in einem der riesigen Kaufhäuser zu verlaufen. Da wird man doch bekloppt in der Birne. Alles wurde immer bunter und lauter und verrückter. Es war kaum zu glauben. Aber hey, wir hatten Hunger. Also ging die Suche weiter. Und während wir suchten, konnten wir einen ziemlich coolen Ausblick auf die Hochhäuser bei Sonnenuntergang erhaschen. Das so mega schön aus, änderte aber nichts am Hungergefühl. Wir haben nach einiger Zeit aufgegeben und nur schnell was auf die Hand geholt. Der Käsekuchen wollte nun im Hostel vernichtet werden. Wir haben tatsächlich das ganze Ding weg gefuttert, aber so gut wie sein Ruf, war er leider nicht. Er hat extrem stark nach Ei geschmeckt. Kathis Käsekuchen oder die berühmten Käsekuchen aus den USA sind da um Längen besser. Also waren wir etwas enttäuscht. Aber dafür tat uns der Zucker gut. Versteht uns hier nicht falsch, denn Japan hat mit großem Abstand die beste Küche, die wir bisher auf der Reise probieren durften. Aber sie machen hier auch viel zu viel Lärm, um Gerichte und Produkte, die nichts besonderes sind. Und das muss man dann auch mal sagen dürfen.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück gleich wieder weiter. Mit der Osaka Loop Line sind wir zu JR Namba Station gefahren. Wir wollten den Stadtteil Dotonbori anschauen. Wenn man mit dem JR Rail Pass durch die Bahnhöfe läuft, dann muss man diesen immer vorzeigen, damit die Kollegen der Bahn sehen, dass man hier rein darf. An diesem Tag habe ich dafür nicht den dafür vorgesehenen Durchgang, sondern einen nebendran, genommen. Im Vorbeigehen habe ich der Dame meinen Pass gezeigt und gut war es. Die wollte aber unbedingt, dass ich nochmal zurück gehe, um durch den richtigen Durchgang zu gehen. Das war schon mehr als dämlich, denn ich war durch und sie hatte den Pass geprüft. Aber solche Aktionen sind eben typisch für Japan. Alles muss zu 100% korrekt gemacht werden. Es darf KEINE Abweichungen geben. Sonst macht man etwas falsch und wird im schlimmsten Fall „entehrt“. Ich habe da ein wenig rum diskutiert und bin dann irgendwann gegangen. Für mich ist das etwas lächerlich, da ich es nicht mag, wenn Menschen ihr Gehirn nicht benutzen. Im Nachhinein habe ich mich aber etwas schlecht gefühlt, da ich der Dame vielleicht das Gefühl vermittelt hatte, dass sie ihren Job nicht kann. Wie auch immer, sie wird es überleben. Die Regeln in Japan haben mich immer mal wieder irre gemacht.

Dotonbori ist eine der Touristen-Gegenden von Osaka. Was auch sonst, denn wir sind mal wieder mittendrin gelandet. Früher war es wohl mal eine künstlerische Ecke mit vielen Theatern usw. Heute ist es für das wilde Nachtleben und die schrille Unterhaltung bekannt. Die großen leuchtenden Tafeln mit ihren bunten Animationen, sieht man des öfteren auch mal im Fernsehen. Die bekannteste Animation ist der Glico-Läufer, den Besucher von der Ebiso-Brücke aus anschauen können. Diese liegt in der Shinsahibashi Shopping Street. Früher war es wohl mal eine analoge Animation, aber heute läuft der Kollege eben digital. Er trägt auf seinem Shirt eine Werbung des Süßwarenherstellers Glico, der in Japan u.a. für die Schokoladenstäbchen Pocky bekannt ist. Bei uns werden die Dinger Mikado genannt. Wir waren hier auch ordentlich shoppen. Die T-Shirts mit witzigen Sprüchen sind hier der Renner. „Osaka is the real capital“ oder „Fuck Tokyo“ prangte auf den Shirts. Kathi hat sich ersteres gekauft. Und ein weiteres T-Shirt, wo M&Ms aus der Brusttasche fallen, welche falsch rum angenäht war 😉 Ansonsten haben wir uns hier noch das American Village angeschaut.

Nachdem wir hier durch gefühlte 10 Millionen Menschen durch gelaufen sind, ging es weiter zum Kuromon Market. Hier gab es allerlei Leckereien zu probieren. Unglaublich viele Fisch- und Fleischspieße reihen sich hier aneinander. Große Fischmengen und Süßigkeiten durften hier einfach nicht fehlen. Zur Abwechselung haben wir mal etwas ganz anderes gekauft. Eine Packung Erdbeeren gab es dieses Mal und die waren unglaublich lecker. Die Japaner lieben Erdbeeren und haben sogar eine weiße Variante gezüchtet. Die haben wir aber nie probiert, da man hier nur für die Farbe ein Vielfaches mehr an Geld zahlen muss.

Die vorletzte Station an diesem Tag war der Namba Yasaka Shrine. Wie beim Inari-Taisha in Kyoto, handelte es sich hier wieder um einen Shinto-Schrein. Seine erste Erwähnung in alten Aufzeichnungen stammt aus dem Jahr 1069. Leider wurde der Schrein 1945 durch die Luftangriffe auf Japan komplett zerstört. Die heutige Version des Schreins stammt aus dem Jahr 1974. Bekannt ist der Schrein durch das riesengroße Abbild eines Löwenkopfes. Der Kopf ist 12m hoch, 11m breit und 11m tief. Er besteht komplett aus Stein. An jeden dritten Sonntag im Januar findet hier immer ein Tauzieh-Wettbewerb statt. Und ansonsten kann man hier viele witzige Bilder mit dem Kopf machen. Der sieht schon echt beeindruckend aus, wenn auch etwas kitschig.

Etwas müde vom vielen Laufen, haben wir beschlossen, ins Kino zu gehen. Also endlich etwas für mich. Im großen IMAX TOHO Cinema lief gerade Avengers: Endgame. Der sollte im IMAX richtig Spaß machen. Wir waren hier nur von den Preisen erschlagen. Man muss hier nicht nur Aufschläge für Überlänge, IMAX und 3D zahlen. Sondern man muss sich auch eine eigene 3D Brille kaufen, die allein 500 Yen gekostet hat. Mit 22 Euro pro Person, war das der teuerste Kinobesuch aller Zeiten für uns. Man, damals nach der Wiedervereinigung habe ich E.T. für 50 Pfennig im Club-Kino geschaut 😉 Mit unseren neuen 3D Brillen bewaffnet, ging es nach dem Effektgewitter der Avengers im Kino nochmal zur Läufer-Animation in Dotonbori. Denn den Läufer muss man ja auch mal bei Nacht sehen. Und jetzt war die Ecke hier einfach nur noch viel zu voll. Wir konnten gar keinen Asphalt mehr sehen, so viele Menschen waren hier unterwegs. Das war soooo irre, dass wir froh waren, als wir wieder raus waren. Abends im Hostel haben wir etwas gefuttert und noch die restlichen Hostels für Japan gebucht. Eine Nacht als Zwischenstopp in Auckland war auch noch mit dabei.

Natürlich hatten wir auch am letzten Tag in Osaka nicht den Plan, uns etwas auszuruhen. Wir sind mal wieder nach dem Frühstück aufgebrochen und haben zuerst die restlichen Zugreservierungen für die verbleibende Zeit in Japan gebucht. Danach stand ein Besuch des Osaka Castle an. Auch hier handelt es sich wieder mal um eines der wichtigsten Gebäude der japanischen Geschichte. Die Burg steht auf einem hohen Steinsockel, der sie vor Angriffen schützen soll. Ein Burggraben führt komplett drum herum. Früher war die Burg komplett aus holz gebaut worden, allerdings verwendete man bei der Restauration Anfang des 20. Jahrhunderts Beton. Die Zerstörung des Originals hatte mehrere Gründe. Zum Einem geschah dies wieder im Zuge der Restauration von Kaiser Meiji und zum Anderen durch Luftangriffe während des 2. Weltkriegs. Osaka hat hier ganz schön was abbekommen. Und der gute Meiji hatte scheinbar einen ziemlich krassen Einfluss auf das Japan, wie wir es heute kennen.

Auf dem Weg zur Burg sind wir durch einen großen Park gelaufen. Dabei konnten wir einigen Kindern beim Baseball-Training zuschauen. Ja, Baseball ist ein riesen Spektakel in Japan. Die Leute hier stehen total auf diesen Sport. Darüber gibt es sogar Filme. Ich erinnere mich da noch an Mr. Baseball mit Tom Selleck und Ken Takakura, der leider schon verstorben ist. Es war ein sehr heißer Tag und wir sind förmlich in der Sonne zerlaufen. Man, hat das hier runter geballert. Da war unsere Motivation für einen Burg-Besuch eher so lala. Deswegen sind wir dieses Mal nicht rein gegangen, sondern haben uns nur draußen aufgehalten und die Zeit im Park davor mit kalten Getränken genossen.

Wir sind später wieder zurück zur Bahn gelaufen und haben uns etwas zu essen gesucht. Es sollte mal wieder ein Okonomiyaki sein. Mehr war an diesem Tag für uns nicht drin, denn wir beide waren total am Sack. Scheinbar hatten wir einen kleinen Hitzestich, denn unsere Kreisläufe waren im Keller angekommen. Wir haben die Zeit im Hostel für Telefonate, Videoschnitt und einige Berichte genutzt. Ansonsten haben wir entspannt. Das hat uns gut getan. Kathi konnte endlich mal wieder ihre Familie sehen. Und abends haben wir uns beim Essen noch mit zwei Holländern ausgetauscht. Die waren irgendwie merkwürdig, aber wir hatten zusammen eine gute Zeit.

Wieder sind drei Tage wie im Flug vergangen. Das liegt einfach daran, dass wir hier so unglaublich viel anschauen und unternehmen. Das war stressig, aber im Nachhinein bin ich Kathi sehr dankbar dafür, dass sie mir immer wieder in den Hintern getreten hat, damit wir diese Sachen erleben durften. Sie hat schon echt ein dickes Fell, denn mein Geschimpfe war in Japan oft einfach nur nervig. Aber so ist das manchmal eben. Wir helfen uns gegenseitig und gehen durch solche Phasen zusammen durch. Wahrscheinlich ist das aber auch der Grund, warum Japan bei ihr heute viel höher in der Bewertung liegt, als bei mir. Unsere nächste Station war nun Hiroshima, bevor es danach zurück nach Tokio gehen sollte…

Kanazawa, Japan
Hiroshima, Japan

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