Lake Tekapo, Mount Cook, Oumara & Moeraki, Neuseeland

Aufgrund des Tipps der Winzerin aus Burnham, haben wir uns morgens von Akaroa in Richtung Lake Tekapo aufgemacht. Ich selbst war hier bereits im Jahre 2014, habe den See aber nicht als sonderlich beeindruckend in Erinnerung behalten. Aber wir hatten ja genug Zeit und so sind wir los gezogen. Nachdem wir gerade vom Zeltplatz runter gefahren sind, hat ein Anzeige im Cockpit angefangen zu leuchten. Das Handbuch hat die Anzeige als Kühlflüssigkeit identifiziert. Damit konnten wir auf keinen Fall weiter fahren. Glücklicherweise lag direkt gegenüber eine Tankstelle und ich habe dort Kühlflüssigkeit und destilliertes Wasser gekauft. Wir waren ziemlich sauer über diese Situation, denn wir erwarteten vom Verleiher, dass so etwas vor der Übergabe geprüft wird.

Da wir nicht wussten, wie man die Kofferraumklappe aufmacht, haben wir auch gleich dort angerufen. Man sagte uns, dass der Motor unter dem Beifahrersitz ist. Das hätte man uns auch mal bei der Übergabe zeigen können, oder??? Man versicherte uns, dass die Kosten für die Kühlflüssigkeit und das destillierte Wasser erstattet werden. Wir sollten nur den Beleg aufheben. Und so haben wir alles aufgefüllt und sind dann endlich los gefahren. Die Strecke zum Lake Tekapo war unbeschreiblich schön. So hatte ich das nicht in Erinnerung. Gut, damals war Winter und jetzt ist Sommer. Es sieht dann eben schon etwas anders aus, wenn der Himmel blau ist.

Nach der Ankunft am Lake Tekapo haben wir dort erstmal zu Mittag gegessen. Bei dieser Aussicht war das ein Gedicht und wir waren froh, dass wir die Entscheidung getroffen hatten, hierher zu kommen. In dem Moment kam eine ältere Dame auf unser Auto zu gerannt, um uns zu stoppen. Sie erzählte uns von einer fünfköpfigen chinesischen Familie, die hier gerade eine schweren Unfall hatte, bei dem drei Familienmitglieder ums Leben gekommen sind. Später stellte sich heraus, dass die Ursache leider mal wieder das Linksfahrgebot war. Chinesen vergessen das vor allem an Kreuzungen immer mal wieder. Sie meinte nur, dass wir das IMMER im Kopf behalten und entsprechend vorsichtig fahren sollten. Das war schon eine krasse und traurige Geschichte.

Im Anschluss daran sind wir den Mount John, der direkt am Lake Tekapo lag, hoch gewandert. Es gibt eine kurze und eine lange Strecke. Wir haben uns für die lange Strecke über 2,5 Stunden entschieden. Der Aufstieg war stellenweise nicht ganz ohne, dafür war die Aussicht der Wahnsinn. Immer wieder sind wir stehen geblieben und haben die Aussicht in alle Richtungen genossen. Es fiel uns immer wieder schwer inne zu halten, um zu begreifen, wo wir hier überhaupt waren. Oben angekommen, haben wir uns gleich einen Kaffee und Kuchen gegönnt. Wir waren doch ziemlich platt. Und auch dabei haben wir die Aussicht wieder genossen. Der See erstrahlte in einem herrlichen Blau und wir ließen uns die Sonne auf unser Gemüt scheinen. Und natürlich haben wir auf der Spitze die obligatorischen Fotos geschossen. Man ist ja auch nur einmal da oben 😉 Für den Abstieg haben wir dann die kürzere Strecke genommen, welche ca. eine halbe Stunde dauert. Hier geht es einfach nur eine steile Treppe nach unten. Dabei läuft man durch einen Wald, der uns etwas abgekühlt hat. Und wir hatten von hier aus eine tolle Aussicht auf ein paar heiße Quellen, wo man drin baden konnte. Gegen eine Gebühr, versteht sich. Also ich kann nun sagen, dass sich ein Besuch des Lake Tekapo im Sommer definitiv lohnt!!!

Gegen Nachmittag haben wir uns zum Lake McGregor aufgemacht. Hier gab es einen sehr günstigen Campingplatz für 20 Dollar. Es gab eine Naturtoilette und kein Internet. Das war was für mich 😉 Dafür wurden wir nachts mit einem der schönsten Sternenhimmel überhaupt entschädigt. Sowas hatten wir vorher nur am Mount Everest oben gesehen. Da es hier nahezu kein künstliches Licht gibt, ist man entsprechend sprachlos, wenn man so einen Sternenhimmel sieht. Der ganze Himmel war voll mit Sternen und wir haben den Ausblick mehr als genossen. Die Milchstraße war leider nicht sichtbar, denn wer sich mit Astronomie auskennt, der weiß auch, dass die Milchstraße zu dieser Zeit hier eben nicht sichtbar ist, da sie sich auf der anderen Seite befindet. Da es hier nachts extrem kalt wurde, haben wir uns schnell wieder unter unsere Decken in Elfriede eingekuschelt. Eine Wärmflasche unter der Decke hat geholfen, die Nacht über nicht zu frieren.

Am nächsten Morgen haben wir erstmal gesehen, was für eine tolle Lage unser Campingplatz hatte. Der Lake McGregor war unglaublich schön und strahlte eine faszinierende Stille aus. Wir genossen unser Frühstück in vollen Zügen und haben uns danach zum Lake Pukaki begeben. Von hier aus hat man einen wahnsinnig tollen Blick auf den Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands. Und was wir hier sahen, war wieder einmal atemberaubend. Wir hatten Glück und konnten Mount Cook in seiner voller Pracht bewundern. Vorn der Lake Pukaki und im Hintergrund dieser mächtige Berg mit seinen Gletschern. Der Schnee strahlte ins durch den blauen Himmel an. Wir haben Elfriede rückwärts eingeparkt und uns hinten rein gelegt. Dadurch konnten wir den Anblick aus dem Auto heraus genießen. Und die Zeit dafür haben wir uns genommen. Direkt am Parkplatz gab es es noch eine Lachs-Farm, wo man frischen Lachs in verschiedenen Qualitätsstufen kaufen konnte.

Über Twizel, einem bekannten Drehort für die Herr Der Ringe Saga, ging es weiter vorbei am Lake Ruataniwha, am Lake Benmore, am Lake Aviemore und am Lake Waitaki. Die ganze Strecke faszinierte uns einfach nur und wir haben uns mal wieder gegenseitig angewowt (also, wenn beide immer nur „wow“ sagen). Der nächste Stopp für uns war ein kleines Dorf namens Kurow. Die wenigsten Leute halten hier an, da es eben nur ein Dorf ist. Es ist aber für eine große Sache bekannt. Der ehemalige Kapitän der All Blacks namens Richie McCaw wurde hier geboren. Dieser Mann ist eine Legende in Neuseeland und die Leute in Kurow sammeln Geld, um für ihn eine lebensgroße Statue zu errichten. Man ist eingeladen zu spenden. Richie selbst lebt mittlerweile in Christchurch und wir haben hier erstmal Mittagspause gemacht.

Danach ging es weiter nach Takiroa, wo man kostenlos alte Malereien bzw. Zeichnungen der Maori sehen kann. Diese Zeichnungen wurden auf Stein gemalt und stammen aus dem 19. Jahrhundert. Leider sind viele Zeichnungen bereits verloren gegangen, aber vieles konnte auch gerettet werden und befindet sich in einem Museum. Es ist interessant zu sehen, was hier gemalt wurde. Eine Malerei sieht so aus, als ob die Maori dokumentieren wollten, dass der „weiße Mann“ mit einem Boot nach Neuseeland kam. Ein paar Deppen haben in den vergangen Jahren leider ihren Namen mit einem Edding auf die Steine geschrieben 🙁

Weiter ging es für uns nach Oumara, einem kleinen Ort mit einer bekannten Steampunk-Szene. Die Briten hatten hier wohl sehr großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes genommen. Wieder erstrahlen die Gebäude im viktorianischen Stil und lokale Brauereien laden zum Biertrinken ein. Da es Samstag war, war hier auch ordentlich was los. Die Leute waren draußen und haben die Sonne genossen. In der Nähe der Küste fand auch ein kleines Fest für Kinder statt. Wir haben hier die Scott‘s Brewery getestet und auch ein Brot aus einer bekannten Bäckerei gekauft. Sowas findet man in Neuseeland leider nur schwer. Und so verbrachten wir hier den Nachmittag.

Unsere letzte Station an diesem Tag war Moeraki, ein Ort, der für seine Pinguin-Sichtungen bekannt ist. Wir haben uns einen Campingplatz gesucht und sind zuerst zu den Moeraki Boulders, einer populären Gesteinsformation im Wasser, gegangen. Diese liegen am Koekohe Beach und sind bei vielen Besuchern sehr beliebt. Anscheinend werden immer wieder neue Steine durch die Erosion des Schluffsteins freigelegt. Die Maori glauben, dass die Boulders Überreste von Aalkörben und Süßkartoffeln sind, die mit dem Kanu Arai-te-uru kamen. Mit diesem Kanu sind die ersten Maori nach Neuseeland gekommen. Eigentlich hatten wir keine Lust drauf, weil es eben nur Steine waren. Aber wir wollten es eben mal sehen. Und so war es dann auch. Wir haben es gesehen und gut war es. Von den Boulders sind wir weiter zum Aussichtspunkt für Pinguine. Ein anderer deutscher Reisender auf dem Campingplatz, hat uns erzählt, dass er einen Pinguin dort gesehen hat. Wir sollten aber leider kein Glück haben. Dafür gab es viele Robben, an die wir sehr nah ran gehen konnten. Das war witzig, vor allem, wenn sie ihre Laute von sich gaben. Wir waren wegen der Pinguine nicht traurig, da wir schon welche in Australien gesehen hatten. Aber es wäre schon cool gewesen 😉

Später am Abend hat uns der Deutsche erzählt, dass es im Dorf ein Musikfest gibt und er hingehen wollte. Wir haben erstmal zu Abend gegessen und ihn danach in einem Pub nebendran aufgesucht. Das Musikfest hatte ganze vier Besucher und so war das nichts für uns. Wir sind dann mit ihm im Pub versumpft und haben im Laufe des Abends ein paar Einheimische kennen gelernt. Die waren mega witzig. Sie kamen gerade von einem Angelausflug zurück und hatten zwei Eimer voll Kabeljau gefangen. Und das haben sie zusammen mit einer älteren Dame gefeiert. Und wir hatten zusammen jede Menge Spaß. Vor allem, weil sie uns viel über Neuseeland erzählt haben. Wir haben u.a. gefragt, warum die Preise der Waren in den Supermärkten so teuer sind. Sie haben erklärt, dass die Bauern die Waren an die Supermärkte zum gleichen hohen Preis verkaufen, wie an Unternehmen, die die Waren exportieren. Damit ist gewährleistet, dass es den Bauern gut geht.

Prinzipiell ist das eine gute Sache, nur kann sich nicht jeder in Neuseeland diese teuren Produkte leisten. Und dadurch konsumieren viele Neuseeländer ungesundes Essen, was dazu führt, dass Übergewicht hier ein echtes Problem ist. Es kann dann z.B. sein, dass eine Kiwi aus Neuseeland im deutschen Aldi billiger ist, als im neuseeländischen Countdown. Schon komisch, oder? Wir haben noch gefragt, ob es sich lohnt den Süden der Südinsel abzufahren. Da meinte die ältere Dame nur: „No, there is nothing to see. It‘s just windy as fuck.“. Sie sollte ein später tatsächlich etwas Recht behalten.

Als der Pub zu gemacht hatte, haben uns die Jungs noch zu sich nach Hause eingeladen. Wir haben dann zusammen den Fisch gebraten und bis 3 Uhr morgens zusammen gefeiert. Wir hatten alle gut einen sitzen und sind dann viel zu spät zurück an den Campingplatz gegangen. Unser deutscher Kollege war aber so besoffen, dass ich echt mein Tun hatte, ihn in sein Bett zu bringen. Es ist mir aber gelungen und so ging einer der schönsten Abende unserer bisherigen Reise zu Ende.

Doch der nächste Morgen sollte eine böse Überraschung für uns parat haben…

Christchurch & Banks Peninsula, Neuseeland
Dunedin, Neuseeland

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