Kyoto, Japan

Herzlich willkommen im Massen-Tourismus…

Die lange Fahrt von über elf Stunden nach Sapporo mussten wir nun wieder zurück fahren. Denn unsere nächste Station war Kyoto, die ehemalige Hauptstadt Japans. Sie liegt im westlichen Teil der Insel Honshu. Bis ins Jahr 1868 war Kyoto Sitz des kaiserlichen Hofes von Japan. Aber wie bereits in unserem Tokio-Artikel erklärt, sorgte der damalige Kaiser Meiji dafür, dass dieser Sitz nach Tokio verlegt wurde. Die japanischen Schriftzeichen des Wortes Kyoto bedeuten daher „kaiserliche Residenz“. Auf einer Fläche von über 800.000 km² leben hier derzeit ungefähr 1,4 Millionen Menschen. Geschichtlich gesehen ist Kyoto also sehr interessant. Wenn es auch den Ruf von Massen-Tourismus innen hat. Wir waren also sehr gespannt.

Abfahrt in Sapporo war morgens gegen 08:30 Uhr. Wir sind die drei Kilometer vom Hostel zum Bahnhof mit unserem Gepäck gelaufen. Sparen war mal wieder angesagt. Das ging ganz schön auf den Rücken. Wir haben bemerkt, dass unsere Rucksäcke einfach zu schwer sind und daher beschlossen, viele Sachen in den nächsten Tagen zurück nach Deutschland zu schicken. Das war mehr als nötig. Ankunft in Kyoto war abends nach 20 Uhr. Insgesamt mussten wir auf dieser Strecke 3mal umsteigen. Blöd war hier auch, dass die Strecke von Tokio nach Sendai ausgebucht war. Daher mussten wir hier ca. 1,5 Stunden im Zug stehen. Das hat ein wenig genervt, aber gut. Die Golden Week zeigte sich mal wieder von ihrer besten Seite. Dazu kam eine sehr hohe Polizeipräsenz an der Tokio Station, was wieder mal dazu geführt hat, dass wir unseren Zug namens Hikari nur schwer gefunden haben. Also dieser Bahnhof in Tokio ist so ziemlich das Letzte.

Vom Bahnhof in Kyoto sind wir dann ins Piece Hostel gelaufen, wo wir drei Nächte gebucht hatten. Hier erklärte man uns, dass zum Bettenpreis noch eine Art Stadtsteuer kam. Pro Tag waren das 200 Yen pro Person. Da habe ich mal wieder Puls bekommen. Gut, dass Kathi sich immer um diese Themen kümmert. Ich hätte den Typen an der Rezeption wohl sonst erstmal was gehustet. Nach dem Check-in sind wir kurz in ein Udon-Restaurant gegangen, um zu Abend zu essen. Udon sind Nudeln, die aus Weizenmehl bestehen und warum auch immer eine viel zu weiche elastische Konsistenz haben. Das Essen war irgendwie nix und wir werden wohl nie Fans von Udon-Nudeln. Wir haben es nur mal probiert, weil wir dachten, dass die in Japan schon anders schmecken, als in japanischen Restaurants in Deutschland. Aber weit gefehlt. Nach dem Essen bin ich kurz allein los gezogen, um für Kathi eine Kleinigkeit zum Geburtstag zu kaufen. Wir wollten rein feiern. Ich habe ihr bayrische Brezeln, einen kleinen Kuchen mit einer aus Papier gebastelten Kerze und eine Flasche Rotwein zum Anstoßen besorgt. Sie hat sich mega gefreut. Kurz danach ging es auch schon ins Bett. Es war mal wieder ein langer Tag.

Am nächsten Morgen haben wir erstmal ausgiebig gefrühstückt. Das war hier endlich mal wieder inklusive. Aber natürlich haben wir auch die Brezeln gegessen, die ich am Vortag besorgt hatte. Wir haben sie in einem der Öfen sogar aufwärmen können und sie waren erstaunlich gut. Danach sind wir kurz zum Bahnhof gelaufen, um unsere Zugtickets nach Kanazawa zu holen. Hier wollten wir nach unserem Aufenthalt in Kyoto hin. Eine Reservierung vorher war nicht nötig, da die Golden Week zu diesem Zeitpunkt vorbei sein sollte. Wir sind dann erstmal weiter zum Fushimi Inari-Taisha Schrein gelaufen. Das ist einer DER Touristenspots in dieser Stadt. Und das sollten wir auch zu spüren bekommen. Bei diesem Ort handelt es sich um einen Shinto-Schrein. Der Shintoismus ist neben dem Buddhismus, die am meisten verbreitete Religion in Japan. Leicht zu unterscheiden sind diese Religionen zwar nicht, aber im Shintoismus wird meist die Diesseitsbezogenheit aufgeführt, welche es im Buddhismus nicht gibt. Es ist das Gegenteil von Jenseits, falls dieser Begriff ein Fragezeichen bei euch hinterlässt. Des Weiteren kennt man im Shintoismus keinen heiligen Schriften, da Informationen nur mündlich überliefert worden sind.

Aber kommen wir mal zurück zum Fushimi Inari-Taisha. Dieser Schrein zählt zu den ältesten und bekanntesten Shinto-Schreinen in Kyoto. Bekannt ist er durch seine großen Alleen aus orange-farbenen Torii, welche allesamt Spenden von Familien oder Unternehmen repräsentieren. Fushimi ist der Stadtteil, in dem der Schrein steht, während Inari den Reis- und Sake-Gott darstellt. Der Legende nach, hat ein Mann namens „Drachenkopf“ hier einen Mochi, einen Reiskuchen, gefunden. Er hat diesen Kuchen an einen Baum gehangen und diesen mit einem Pfeil durchschossen. Dadurch wurde aus dem Kuchen ein Schwan. Der Schwan ist daraufhin abgehauen und Drachenkopf begann ihn zu suchen. Er hat diesen dann auch gefunden und an diesem Ort beschlossen, dass der Gott Inari hier einen Schrein braucht. Drachenkopf selber wurde dann einer der ersten Oberpriester im Schrein. Die Torii führen den Besucher zu diesem Schrein. Fuchsstatuen repräsentieren hier die Boten des Gottes Inari. Normalerweise sind diese Füchse weiß, da sie sich von irdischen Füchsen unterscheiden. Einige von ihnen tragen eine Sutrenrolle oder einen Wunschjuwel im Maul. Das sind buddhistische Symbole, welche die buddhistischen Wurzeln des Inari-Glaubens darstellen.

Der Ort hier war ziemlich anstrengend für uns, da es einfach nur abartig voll war. Ja, die Golden Week war sicherlich mit Schuld daran, aber hier soll es angeblich immer so zugehen. Das hat tierisch genervt. Richtig schlimm war das Laufen durch die vielen Torii. Da sind wir kaum zum Fotos machen gekommen. Dauernd ist jemand in uns rein gelaufen. Einfach nur nervig. Daher haben wir beschlossen den Weg nach oben zum Mount Inari komplett zu laufen, in der Hoffnung, dass die Japaner zu faul dafür sind. Und siehe da, oben war so gut wie niemand. Und wir hatten unsere Ruhe und konnten den Ort endlich genießen. Dazu wurden wir mit einer netten Aussicht auf Kyoto belohnt. Einer netter alter Japaner hat uns in seinem Café mit Eiern, Kaffee und Tee versorgt. Gestärkt sind wir danach den Mount Inari Loop zu Ende gelaufen, um wieder unten anzukommen. Trotz der vielen Touristen ist der Ort sicherlich einen Besuch wert. Geht einfach nach oben auf den Berg und schon seid ihr für euch 😉

Unten angekommen, ging es erstmal durch eine der Fress- und Einkaufsstraßen um die Ecke. Da wurden allerlei absurder Dinge verkauft. Vor allem diese kleinen Vögel, welche am Spieß gegrillt worden sind, sahen gewöhnungsbedürftig aus. Normalerweise probiere ich ja immer solche Sachen, aber an diesem Tag war mir nicht danach. Es wirkte irgendwie, als machten die Leute das hier nur für die Touristen. Zurück in der Innenstadt angekommen, sind wir in ein Restaurant gegangen, um ein weiteres neues japanisches Gericht zu testen. Es hieß Okonomiyaki. Okonomi bedeutet „Geschmack“ bzw. „was du willst“ und yaki bedeutet einfach nur „gebraten / gegrillt“. Das Gericht wird meistens direkt am Tisch auf einer heißen Platte, auch Teppanyaki genannt, gebraten. Der Kunde bekommt dann einen Spachtel und kann das Ganze zerhacken, umdrehen und essen. Hauptzutaten sind Kohl, Wasser, Mehl, Ei und Dashi, ein Fischsud. Dazu eignen sich noch Meerestiere oder Fleisch. Garniert wird das Essen meistens mit getrocknetem Bonito, also Thunfischflocken. Und wir haben es geliebt. Die Zubereitungsarten variieren je nach Region. Das war schon mal ein echter Gaumenschmaus zu Kathis Geburtstag.

Danach sind wir zurück ins Hostel gegangen, um etwas zu entspannen. Kathi hatte an diesem Tag aber noch einen ganz besonderen Geburtstagswunsch. Sie wollte unbedingt mal Kobe Beef probieren. Kobe Beef ist das hochwertigste Rindfleisch der Welt. Der Preis liegt meistens irgendwo zwischen 400 bis 600 Euro pro Kilogramm. Mir wurde bei diesem Gedanken schon ganz schlecht. Unser armes Reisebudget. Aber hey, es war ihr Geburtstagswunsch, also machten wir das auch. Kobe Rinder müssen aus der japanischen Region um die Stadt Kobe kommen. Sie gehören zur Rasse der Tajima-Rinder. Außerhalb Japans sagt man auch Wagyu dazu. Das habt ihr bestimmt schon mal beim Metzger gelesen und euch mit Sicherheit bei den Preisen an die Birne gefasst. In der EU gibt es das Fleisch erst seit ein paar Jahren, da der Import lange nicht möglich war. Man erkennt das Fleisch vor allem an seiner äußerst starken Marmorierung. Wenn die natürlichen Auslaufflächen für die Rinder nicht reichen, dann werden diese auch gern mal massiert. Wie ihr seht, ist die Zucht wohl ziemlich aufwendig. Und es gib einige Mythen im diese Tiere.

Das Hostel hat uns ein nettes Lokal empfohlen und auch gleich einen Tisch reserviert. Das war auch gut, da wir sonst gar nicht rein gekommen wären. Wir wurden in ein Separé geführt, wo wir uns wie immer mit einem Handtuch die Hände sauber machen konnten. Dann haben wir erstmal die Speisekarte studiert. Um das Kobe Beef nun in verschiedenen Qualitätsstufen zu probieren, haben wir ein Set für zwei Personen bestellt. Hier gab es fünf Qualitätsstufen für umgerechnet knapp 80 Euro. An Fleisch bekamen wir um die 150 Gramm. Dazu haben wir noch Bibimbap, ein koreanisches Reisgericht aus Gemüse und rohem Ei, bestellt. Der Inhaber war nämlich Koreaner und hat die japanische Küche und die koreanische Küche kombiniert. Das Fleisch wurde roh, in dünne Streifen geschnitten, serviert.

Und wir konnten es selbst auf dem Teppanyaki grillen. Zum Einfetten des Grills haben wir ein sehr fettiges Stück Fleisch vom Rind bekommen. Dazu wurden noch Miso-Suppe, ein Sojasaucen-Dip mit Rettich, Mais, Pilze und Kürbis serviert. Das war alles extrem lecker und das Fleisch ist im Mund geschmolzen. Wir haben natürlich die qualitativen Unterschiede zum normalen Rind geschmeckt, aber die Frage ist nun, ob das Kobe Beef auch seinen Preis wert ist. Wir sagen nein, denn ein gutes Stück Rinderfilet schmeckt eben auch sehr gut. So groß ist der Unterschied gar nicht. Natürlich gibt es viel zu oft billiges und minderwertiges Rindfleisch, aber wer das kauft, ist auch selbst Schuld. Daheim grillen wir ja öfter mal so gute Stücke, daher wissen wir auch sowas hier zu schätzen. Wir werden Kobe Beef aber aufgrund des viel zu hohen Preises nicht so schnell nochmal essen. Im Hostel gab es zum Abschluss von Kathis Geburtstag noch einen Absacker.

Am letzten Tag in Kyoto ging es für uns nach Arashiyama. Dort wollten wir den großen Bambuswald anschauen. Auch hier sollten uns große Mengen von Touristen nerven. Wir sind den Weg im Wald einmal abgelaufen und habe einige Bilder und Videos machen können. Es war schon cool mal so einen Bambuswald zu sehen, aber die vielen Menschen haben uns doch sehr genervt. Vor allem mich. Mit der Zeit in Japan merkte ich, wie sehr mich die Reise durch dieses Land stresst. Wir sind hier von einem krassen Ort zum nächsten gegangen und hatten recht wenig Pause. Wir wollten das aber auch so, da wir eben nur die 3,5 Wochen hier hatten. Die Pause stand nach der Japanreise an. Ein kleines Touristen-Highlight sind hier die Rikscha-Fahrer, die einen mit ihrem strammen Beinen mit einer Rikscha durch die Gegend ziehen. Den Affenwald, den hier viele Leute besuchen, haben wir ausgelassen.

Zurück in Kyoto haben wir uns gleich wieder ein Okonomiyaki gegönnt. Und wieder war es soooo lecker. Wir sind dann etwas durch die Innenstadt gelaufen, fanden die aber irgendwie öde. Wir hatten da etwas mehr erwartet, was dazu geführt hat, dass wir irgendwann keine Lust mehr hatten, hier herum zu laufen. Selbst eine der größeren Tempelanlagen konnte uns hier nicht mehr begeistern. Deswegen sind wir weiter zum Nishiki Markt gelaufen. Wir wollten ein paar Souveniers kaufen. Der Markt war ziemlich cool. Neben unglaublich viel Kitsch, gab es auch ein paar leckere Sachen zum Probieren. Ich selbst habe eine kleinen Oktopus gegessen, der auf einem gekochten Ei saß. Der Oktopus selbst war noch mariniert. Das war echt mega lecker und eine super Proteinquelle. Wir haben auch einen Mochi, einen Reiskuchen, probiert, aber das war nix. Die schmecken einfach nicht. Nach vielen Eindrücken ging es dann zurück ins Hostel. Wir wollten den letzten Abend mit einer Takoyaki-Party beenden.

Unser Hostel hat diese Party kostenlos veranstaltet. Man musste nur ein Getränk an der Bar kaufen, war wir eh gemacht hätten. Nur galten während dessen unsere Gutschein nicht mehr 😉 Takoyaki ist ein recht einfaches Gericht zum selbst machen. Man braucht dafür nur einen speziellen Grill, mit runden Aushebungen. Deswegen auch hier wieder das Wort „yaki“, was „grillen“ bedeutet. Tako bedeutet in diesem Fall „Oktopus“. Man mischt hier eine Eierpampe, welche aus Eiern, Mehl, Lauch und Wasser besteht, mit getrockneten Shrimps, Fischpuder, Ingwer, Tempuraflocken und Oktopus. Wenn der „Eierball“ fertig ist, dann wird er mit Mayonnaise und Bonitoflocken serviert. Gern auch noch mit Seetang-Flocken. Unser Gastgeber Midori hat uns gezeigt, wie es geht und wir durften dann selbst ran. Es war ziemlich lecker, aber auch das einzige Mal, das wir Takoyaki in Japan gegessen haben. Später im Zimmer haben wir den Abend mit der aktuellen Folge der achten Staffel von Game Of Thrones ausklingen lassen.

So ganz wissen wir nicht, was wir von Kyoto halten sollen. Außer dem Fushimi Inari-Taisha hat uns hier nicht viel begeistert. Das lag einfach daran, dass die Stadt so abartig voll und überlaufen war. Das hat wirklich genervt. Die Drängelei, der Krach und die damit verbundene Rücksichtlosigkeit der Leute, haben einfach einen faden Beigeschmack. Ja, Kyoto gehört natürlich zu einer Japanreise dazu, aber wir sind die Letzten, die so etwas sagen würden. Um nun wieder etwas ins ruhigere Fahrwasser zu kommen, sind wir am nächsten Tag nach Kanazawa gefahren. Dieser Ort wird auch Little Kyoto genannt. Wir waren gespannt, was uns erwartet.

Sapporo & Jozankei, Japan
Kanazawa, Japan

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