Die Catlins & Milford Sounds, Neuseeland

Endlich können wir die Fjorde von Neuseeland sehen…

Jaaa, wir waren wieder auf der Straße und konnten endlich weiter fahren. Unser Ziel war der Süden der Südinsel von Neuseeland, wo ich selbst auf meiner damaligen Reise durch Neuseeland noch nicht war. Wir wollten die Catlins mit den verschiedensten Aussichtspunkten und auch die Fjorde von Milford Sounds sehen. Es ist schon echt verrückt, was Neuseeland alles zu bieten hat.

Unsere erste Station nach Dunedin war der etwas 100 Kilometer entfernte Kaka Point. Kaum angekommen, haben wir gleich bemerkt, dass das Wetter hier unten deutlich rauer war, als in den Orten zuvor. Das lag daran, dass die Küste hier sehr nah am Südpol ist und die Kälte eben deutlich spürbarer war. Der Kaka Point zeigt einen wunderschönen, aber eben sehr rauen Strand, wo man verschiedene Vogelarten beobachten kann. Mit etwas Glück sieht man hier zu richtigen Jahreszeit wohl auch Wale. Aber wir waren zur falschen Zeit hier. Ganz in der Nähe wurde eine Schule im Jahre 1881 von den Maori erbaut. Sie bestand anfangs nur aus Farn und Lehm, wurde aber durch Kinder der Maori und auch auch durch drei europäische Kinder besucht. 1893 wurde hier eine neue Schule gebaut, welche Reomoana School genannt wurde. Das bedeutet „Voice of the sea“, was übersetzt „Stimme des Meeres“ heißt. Man konnte hier ein paar Fotos der Menschen von damals sehen, wie sie zur Schule gingen und Spaß am Meer hatten.

Ganz in der Nähe befand sich die sogenannte Roaring Bay mit dem Nugget Point und seinem Leuchtturm. Die Roaring Bay ist bekannt für ihre Sichtungen von Gelbkopf-Pinguinen. Die wollten wir natürlich sehen. Es ist ein kleiner Spaziergang zum Aussichtspunkt für die Pinguine, der uns durch verschiedene Gräser und Sträucher führte. Am Ende gelangt man in ein kleines Häuschen, durch welches man einen Blick auf den Strand mit den Pinguinen hat. Ähnlich, wie in einem Bunker. Man darf den Strand hier nur zu bestimmten Zeiten betreten, da man die Pinguine schützen will. Sie reagieren sehr empfindlich auf Mensch und Tier und Stresssituationen können sie töten. Einer ihrer größten Feinde ist der Hund, wenn er nicht an der Leine ist. Daher sind Hunde hier generell verboten, was wir gut finden. Leider konnten wir aber keine Pinguine sehen, da diese erst am späten Nachmittag aus dem Meer zurück kommen. Und so lange wollten wir eben nicht warten.

Wir sind dann weiter zum Leuchtturm des Nugget Point gegangen und haben die wunderschöne Aussicht auf den Ozean genossen. Das Wetter war sehr durchwachsen und es hat immer mal wieder etwas geregnet. Das hat uns aber nicht abgehalten die Gegend weiter zu erkunden. Denn hier runter kommt man nur einmal im Leben. Wir fanden den Ort wunderschön und haben über die vielen Felsformationen im Wasser gestaunt. Und wir waren voller Ehrfurcht vor der Natur hier. Denn wie gesagt, es war unglaublich rau, kühl und nass. Das hat uns gefallen, auch wenn wir etwas gefroren haben. Nach einiger Zeit, haben wir uns auf dem Parkplatz des Nugget Point ein kleines Mittagessen gegönnt. Ja, genau für so etwas ist ein Campervan eben gut. Die integrierte Küche und die Höhe des Autos machen es möglich.

Der Tag war für uns noch lange nicht zu Ende. Wir sind weiter zu den etwas 40 Kilometer entfernten Purakaunui Falls gefahren. Nach einem etwas 10-minütigen Spaziergang gelangt man hier zu einem kleinen, aber feinen Wasserfall. Der Spaziergang ist zwar kurz, aber extrem sehenswert. Man läuft durch ein kleines Waldgebiet, welches vor Farn und Moos nur so strotzt. Alles war so grün, dass wir es kaum glauben konnten. Und der Wasserfall war die Belohnung am Ende. Dabei sind wir immer ein paar Bilder entstanden.

Nach dem Wasserfall sind wir weiter zum Slope Point gefahren, der ungefähr 70 Kilometer entfernt war. Ihr seht, wir sind an diesem Tag sehr viel gefahren. Dieser Ort markiert den südlichsten Punkt von ganz Neuseeland. Von hier aus sind es nur noch 4803 Kilometer bis zum Südpol. Und da kann man jede Menge witzige Bilder machen. Vom Parkplatz aus sind es wieder nur ein paar Minuten bis zum Aussichtspunkt. Und ja, es wurde immer kälter 😉 Wir genossen die Zeit und auch das Wetter sehr. Und irgendwie waren wir glücklich 🙂 Der Tag ging auf einem entspannten Campingplatz in Wyndham zu Ende. Und wir können die Aussage der älteren Dame aus Moeraki bestätigen. Hier unten ist es „windy as fuck“, aber es gibt trotzdem jede Menge tolle Sachen zu sehen…

Am nächsten Morgen sind wir nach Invercargill gefahren. Anfangs hatten wir mal geplant, hier etwas Zeit zu verbringen, doch als wir den Ort sahen, haben wir den Gedanken schnell verworfen. Hier gibt es nicht viel zu sehen. Wir haben die Stadt nur zum Tanken und Einkaufen genutzt. Denn die Strecken hier sind immer recht lang und es gibt nicht immer eine Tankstelle oder einen Supermarkt. Und wir haben das erste Mal für unter 2 Dollar pro Liter getankt. Also billiger war es hier schon mal. Unser nächster Anlaufpunkt nach Verlassen der Stadt war ein Ort namens Bluff. Dieser ist in ganz Neuseeland für seine Austern bekannt. Die Bluff Oysters sind so gut, dass sich jedes Sterne-Lokal im Land darum schlägt, das Erste zu sein, was die Austern anbieten kann. Die Saison startet immer Ende März und wir waren zur richtigen Zeit hier. Wir haben rohe und frittierte Austern probiert. Beide Varianten waren unglaublich gut. Im Vergleich zu anderen Austern, sind sie etwas fester, sodass man sie kauen muss. Und genau das macht es aus, denn das Kauen intensiviert den Geschmack.

Nachdem wir uns die Bäuche voll geschlagen haben, ging es weiter zum Stirling Point, der hier ganz in der Nähe lag. Der Stirling Point stellt einfach einen weiteren Aussichtspunkt hier im Süden dar. Man kann hier einige kleinere Spaziergänge machen, aber nach dem gestrigen Tag hatten wir dieses Mal keine Lust drauf. Wir haben die Aussicht genossen und sind dann weiter in Richtung der Fjordlande gefahren.

Auf dem Weg zu den Fjordlanden kamen wir an einigen weiteren bekannten Aussichtspunkten vorbei. Dazu gehörten Monkey Island, eine Insel, die man nur bei Ebbe vom Strand aus erreichen kann, Gemstone Beach, ein Strand, der zum Surfen einlädt und McCrackens Rest, wo man Wale, Delfine und allerlei Vögel beobachten kann. Die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man von einem Wow zum nächsten Wow fährt. Natürlich könnte man an diesen Orten auch etwas mehr Zeit verbringen, aber wir sind nicht der Typ für so etwas. Wir haben die Szenerien sehr genossen, wollten aber eben weiter in Richtung der Fjorde fahren. Damit gingen die Catlins für uns zu Ende und wir sind abends wieder auf einem Campingplatz gelandet. Zu essen gab es Hammelwürste im Brotkrumenmantel. Kathi mochte sie nicht 😉

Die Fahrt am nächsten Tag führte uns zum Lake Manapouri und dem Fraser Beach. Die Wolken haben sich an diesem Tag wunderschön über die Berge gelegt und die Sonne hat geschienen. Rechts und links von der Straße erstrahlten grüne Laub- und Nadelbäume und im Hintergrund ragten Bergen mit Schneedecken empor. Das war eine unglaublich beeindruckende Szenerie, die wir gleich mal aus dem Auto raus gefilmt haben. Und dazu liefen Songs der Eagles. Besser geht es einfach nicht. Kathi wird das Material sicherlich wieder in ihrem Video verwenden. Am Fraser Beach haben wir einen kleinen Spaziergang entlang des Sees gemacht. Dabei landet man am Ende an einem kleinen Hafen namens Pearl Harbour, der ein Touristenzentrum hat. Hier haben wir uns etwas über die Fjorde informiert und wie man sie am besten bereist. Die Preise für die Touren dort waren aber so utopisch teuer, dass wir gleich wieder gegangen sind. Da hatten wir irgendwie ein komisches Gefühl, was die Fjorde anging. Wie auch immer, wir wollten weiterhin dorthin fahren.

Im Touristenzentrum hat uns ein Typ vom berühmten Keppler Track erzählt. Das ist eine mehrtägige Wanderung, die man dort machen kann. Dabei schläft man nachts in irgendwelchen Hütten, die man vorher buchen muss. Kathi hatte da mal die Preise geprüft und die waren mehr als unverschämt. Über fünf Tage wären wir hier 350 Dollar pro Person los geworden und das war einfach nicht drin. Also sind wir zu einem Parkplatz in der Nähe gefahren und so wir sind nur einen kleinen Teil des Keppler Tracks gelaufen. Die Strecke führte uns zur Moturau Hut und wieder zurück. Die Moturau Hut liegt direkt am Lake Manapouri. Die einfache Strecke sollte ca. 1,5 Stunden dauern. Wir waren natürlich schneller, haben den Wald aber sehr genossen. Kaum am See angekommen, wollten wir eigentlich mal etwas rasten, aber daraus wurde nichts. Innerhalb kürzester wurden wir von den sogenannten Sandflies aufgefressen. Das sind kleine Mücken, die extrem aggressiv sind. So schnell kann man gar nicht reagieren, wie man hier gestochen wird. Und es gibt nichts, was man dagegen tun kann. Ian McKellen, der Schauspieler, der Gandalf in den Herr der Ringe Filmen gespielt hat, meinte mal, dass er die ganze Zeit seine Pfeife geraucht hat, damit die Viecher weg bleiben. Geschlafen haben wir später in einem Ort namens Te Anau. Auf der Fahrt dorthin hörten wir von einem Anschlag auf eine Moschee in Christchurch…

Im Laufe der Zeit erfuhren wir, dass es sich dabei um einen Australier gehandelt hat, der wohl einen Hass auf Muslime hatte. Es starben wohl insgesamt 49 Menschen. Er wurde gefasst und sehr schnell verurteilt. Die Neuseeländer waren in dieser Zeit sehr in Trauer und haben, wie keine andere Nation vorher, zusammen gehalten. Und die Tat hatte auch direkte Konsequenzen im Land. Innerhalb kürzester Zeit wurden u.a. die Waffengesetze verschärft. Da können sich andere Nationen mal ein Beispiel dran nehmen. Statt immer nur Gebete zu schicken, wurde hier gehandelt. Die Menschen Neuseelands werden von ihrer Regierung gehört. Wir selbst wurden gleich am nächsten Tag von Freunden und Familien kontaktiert, da sie wussten, dass wir in Neuseeland sind und die Nachrichten gesehen hatten. Wir konnten sie natürlich alle schnell beruhigen, da wir von dem Ereignis viel zu weit weg waren.

Wir fuhren an diesem Tag die Road to Milford weiter. Die Berge in Te Anau waren an diesem Morgen komplett durch sehr tief hängende Wolken verdeckt. Am Lake Mistletoe haben wir einen 45-minütigen Spaziergang um den See gemacht. Wir hofften hier ein paar Kiwis zu sehen, aber die kommen bekannterweise nur nachts raus. Der Kiwi ist der berühmtest Vogel Neuseelands. Weiter ging es zum Eglington Valley, wo man eine gute Aussicht auf die Berge haben sollte. Aber die Wolken haben das an diesem Tag verhindert. Genauso erging es uns an dem nahe gelegenen Mirror Lake.

Beeindruckender war dagegen schon der Spaziergang um den Lake Gunn. Das sollte im Nachhinein unser beeindruckenster Spaziergang werden. Obwohl man hier auch nur 45 Minuten durch einen kleinen Wald läuft, ist man die ganze Zeit fasziniert. Nie zuvor haben wir so viel Grün überall gesehen. Das Moos, der Farn, verschiedene Gräser und hohe Bäume tauchten die Natur in das satteste Grün überhaupt. Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu fotografieren, so fasziniert waren wir von dem Ort. Schaut euch die untere Galerie an, dann wisst ihr, was wir meinen.

Von hier aus ging es nun endlich nach Milford Sounds, den berühmten Fjordlanden der Südinsel Neuseelands. Auch hier ist die Fahrt einfach nur noch beeindruckend. Das war so beeindruckend, dass uns hier gar keine Worte einfallen, um das Gesehene zu beschreiben. Wir hoffen, dass die Bilder und auch das spätere Video dazu einen kleinen Einblick geben können. Vorbei an Aussichtspunkten, wie Pop‘s View, der einen Blick auf Lake Marian erlaubt, ging es durch einen krassen Tunnel direkt nach Milford. Dieser Tunnel führte durch einen Berg, der eine Ampelschaltung hatte, da immer nur eine Seite durchfahren durfte. Ein Countdown zeigt an, wann man dran war. Der Fahrt durch diesen Tunnel war etwas beängstigend, denn die Decke wurde nur von Holzbalken gehalten. Überall hat es nach unten getropft und man hat kaum etwas gesehen. Nur den Lichtkegel des Autos. Da war es eine kleine Erlösung, als wir durch waren.

Nach dem Tunnel war es nur noch ein kleines Stück bis Milford. Hier muss man wissen, dass die Straße dann endet. Es geht von hier aus nur noch zurück. Auf dem Weg zum Parkplatz hatte ich Glück, denn ein Kiwi ist über die Straße gerannt. Ich habe mich tierisch gefreut, nur Kathi hat es leider verpasst, da sie gerade abgelenkt war. In einem Café haben wir uns mit etwas Kaffee und Kuchen gestärkt. Wir haben beschlossen ein Bootsfahrt durch die Fjorde zu buchen. Und das war die richtige Entscheidung. Anstatt vorher alles zu planen, wie die meisten Touristen hier, haben wir das einfach spontan gemacht. Das Ganze war auch überhaupt nicht teuer.

Zu Milford kann man sagen, dass es hier über 200 Regentage im Jahr gibt. Somit ist es die nasseste Region des ganzen Landes. Hier regnet es mehr als im Amazonas, was für uns definitiv eine neue Information war. Aber an diesem Tag hatten wir Glück, denn die Sonne schien auf die vielen Berge. Und wir hatten ein Boot-Ticket. Die Fahrt führte uns raus auf die Tasmanische See und wieder zurück. Es ging vorbei an verschiedenen Wasserfällen, die Regenbogen erzeugten und einigen Robben, die hier lebten. James Cook selbst hat die meisten der Fjorde hier entdeckt. Den von uns Befahrenen hat er allerdings übersehen. Wenn man draußen auf der Tasmanischen See ist, dann weiß man auch, warum. Die Bergformationen sehen so aus, als ob es hier nicht ins Landesinnere geht. Später wurde er zufällig von einem anderen Kapitän entdeckt, der Schutz vor einem Sturm suchte. An Bord haben wir eine Familie aus der Schweiz kennen gelernt und uns nett mit ihnen unterhalten. Sie haben uns noch ein paar Tipps für die Nordinsel gegeben, die wir später bereisen wollten. Nach 1,5 Stunden war die Fahrt zu Ende und wir waren wieder im Hafen.

Da das Benzin hier mit 2,40 Dollar zu teuer war, sind wir mit einem fast leeren Tank wieder zurück in Richtung Te Anau gefahren. Das war etwas riskant, da es nur bergauf ging. Da ist der Verbraucht mal eben deutlich höher. Mir ging da schon etwas die Muffe, aber ich habe mir nichts anmerken lassen. Wir sind später wieder auf dem gleichen Campingplatz in Te Anau angekommen und mussten diesen Tag erstmal verarbeiten. Das war irre viel und wie ihr seht, ist dieser Artikel auch deutlich länger, als die anderen geworden. Das war alles so ein Wahnsinn!!! Vielleicht denkt ihr ja gerade, dass das alles viel zu viel für diese kurze Zeit ist, aber das war nicht so. Zu keiner Zeit haben wir uns gehetzt gefühlt, sondern überall haben wir uns genug Zeit genommen. Man kann sagen, dass wir die Tage hier unten mehr als sinnvoll genutzt hatten. Und nun ging es für uns weiter nach Queenstown, der ersten Touristen-Hochburg des Landes. Und ja, das Benzin von Milford nach Te Anau hatte gereicht. Geradeso 😉

Dunedin, Neuseeland
Queenstown & Wanaka, Neuseeland

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