Crescent Head, Byron Bay & Gold Coast, Australien

Endlich surfen…

Endlich war es soweit und wir konnten unseren Surfkurs machen. Australien ist einfach perfekt dafür. Der Ort, den wir dafür ausgewählt hatten, hieß Crescent Head. Wir sind morgens um 6 Uhr aufgestanden, haben gefrühstückt und sind direkt zum Surfari Surf Camp gefahren. Betrieben wird das Ganze von einem Aussie namens Ben und von seiner französischen Freundin Sandra. Der Ort kombiniert Surfschule mit Hostel und vielen mehr. Also definitiv ein Platz zum Verweilen.

Als wir angekommen sind, hat uns Ben gleich unseren Wetsuit und ein T-Shirt zum Anziehen gegeben. Das war nötig, damit er uns später auch von Schülern anderer Surfschulen unterscheiden kann. Und dann ging es zusammen mit ein paar amerikanischen Kids los. Der erste Strand war leider nicht geeignet, da es kaum Wellen gab. Wir sind dann bis zum Point Plummer gefahren, was dann schon deutlich besser war. Die Strecke war eine reine Schotterpiste und führte zu einem Campingplatz direkt am Strand. Hier haben uns Ben und JJ im Sand gezeigt, wie man paddelt und später aufsteht, wenn eine Welle kommt. Nach den Trockenübungen ging es auch schon direkt ins Wasser. Und man glaubt es kaum, aber nach ein paar Versuchen standen Kathi und ich auf dem Brett und haben die Wellen geritten. Das war ein unglaubliches Gefühl. Ben war ein toller Lehrer und wir genossen das in vollen Zügen. Natürlich war es super anstrengend, aber es hat mega viel Spaß gemacht. Danach ging es wieder zurück zu unserem Campingplatz, weil wir einfach nur platt waren. Es gab Pizza zu futtern…

Am nächsten Tag sind wir morgens gleich wieder mit den Leuten surfen gegangen. Wieder war es Point Plummer und wieder war es perfekt. Kathi und ich hatten uns die Haut auf unserem Brustkorb etwas aufgescheuert, aber das hielt uns nicht vom Surfen ab. Es hat einfach zu viel Spaß gemacht und vor allem Kathi kam richtig gut klar. Ich selbst musste etwas eher aufhören, da ich so oft runter geflogen bin, dass ich irgendwann nicht mehr konnte. Aber ich konnte trotzdem noch eine letzte Welle reiten. Das Team der Surfaris war großartig und wir empfehlen sie euch gern weiter, falls ihr mal in der Gegend seid.

Nach dem Mittag ging es für uns weiter auf unserer Strecke in Richtung Brisbane. Wir sind nach Coffs Harbour gefahren, weil Phil uns viel von einem kleinen Vergnügungspark namens Big Banana erzählt hatte. Er erinnert sich immer gern an diesen Ort, weil er mit seinen Eltern oft hier war, als er noch ein kleiner Junge war. Und er hat immer eine gefrorene Banane mit Schokolade am Spieß bekommen. Und so sind wir eben dorthin gefahren, haben uns so eine Banane gekauft und Phil ein Foto davon geschickt. Das fand er mega cool und hat sich gefreut, dass wir an diesem Ort waren. Den Rest des Tages haben wir auf einem Campingplatz verbracht, weil wir wieder mal total fertig waren. Einen Film später sind wir eingeschlafen.

Und so verliefen die nächsten Tage wieder mehr oder weniger unspektakulärer. Wir kamen an Orten wie Yamba und Ballina vorbei. Meistens hingen wir hier an einem Strand oder auf einem Campingplatz mit Pool rum und haben es uns gut gehen lassen. Ballina war unter anderem für seine riesige Garnelenstatue bekannt. Natürlich mussten wir auch hier ein paar Bilder machen. Das sah schon von der Straße aus total witzig aus. Und Fish & Chips gab es zu futtern…

Und dann war es soweit und wir sind wieder mal an einem der bekanntesten Orte von Australien angekommen. Es handelte sich um Byron Bay. Der Ort ist ein sehr beliebtes Touristenziel, was ihn entsprechend teuer macht. Allein der Campingplatz hat uns hier um die 70 Aussie Dollar gekostet. Hier leben ungefähr 5000 Menschen und das Cape Byron ist auch der östlichste Punkt des australischen Festlandes. Bekannt ist der Ort auch durch seine „hippieartige“ Gemeinschaft, wobei hier gefühlt jeder surft. Schauspieler wie Matt Damon und Chris Hemsworth, der selbst Australier ist, haben hier ein Haus.

Da der Ort eben so teuer ist, haben wir beschlossen, dass wir hier nur eine Nacht bleiben. Vor allem, weil es eben nur ein Ort für Touristen ist. Hier gibt es sonst nichts anzusehen. Wir sind durch die Innenstadt geschlendert und haben die örtlichen Geschäfte unsicher gemacht. Und natürlich waren auch die Pubs vor uns nicht sicher. Alles sah super nett und auch ein Stück weit arrangiert aus. Für Touristen eben. Der Strand hingegen war mega schön. Unglaublich lang mit sehr vielen Surfern im Wasser. Da ist man einer unter vielen. Und der Sonnenuntergang kann sich hier auch sehen lassen. Kathi hat der Ort sehr gut gefallen, aber ich hingegen fand ihn unspektakulär. Er hatte nicht wirklich viel, was mir in Erinnerung bleiben wird. Außer, dass er unnötig teuer ist. Kathi hingegen fand den Lifestyle cool, weil die Leute hier eben barfuß durch die Gegend laufen und meist nur abhängen. Das war tatsächlich mal ein Ort, wo wir unterschiedlicher Meinung waren…

Am nächsten Morgen haben wir uns gleich vom Acker gemacht und in Richtung Gold Coast gefahren. Auf dem Weg dorthin, haben wir zufällig ein Museum der Aborigines entdeckt. Wir haben hier natürlich angehalten, weil wir hofften, endlich mal etwas über die Geschichte der Ureinwohner Australiens zu erfahren. Und wir hatten Glück. Das Museum selbst ist unspektakulär, aber schon der Spaziergang durch die Mangroven war toll. Denn hier konnte man unter anderem einen Ort sehen, wo die Verfahren der heutigen Abos aus dieser Gegend ihrer Zeremonien abgehalten haben. Man muss wissen, dass es mehrere Hundert verschiedene Stämme von Abos in Australien gab, bevor die Briten in das Land kamen. Und diese Stämme mochten sich nicht immer. Sie sprachen nicht einmal die gleiche Sprache und hatten unterschiedliche Bräuche. Nach dem Eintreffen der Briten um 1788 sank die Zahl der Abos in Australien von knapp einer Million auf 60.000 im Jahre 1920. Einer der Gründe dafür waren Auseinandersetzungen zwischen den Siedlern, aber auch eingeschleppte Krankheiten, wie die Grippe. Das kann man sich nur schwer vorstellen…vor allem aber gab es auch verschiedene Massaker an den Ureinwohnern. Bekannt geworden ist das Myall-Creek-Massaker und das Cape-Grim-Massaker. Dazu findet ihr im Internet mehr Informationen… Die Betreiberin des Museum hat uns dann erzählt, wie es heutzutage ist, als Abo in Australien zu leben. Und was wir da hörten schockierte uns nur noch. Anscheinend hatten die Abos nicht die gleichen Rechte in Australien, wie die „Weißen“. Das liegt daran, dass sie in der Verfassung bis 1967 als „Flora und Fauna“ bezeichnet werden. Dadurch durften sie z.B. nicht wählen gehen. Ein heutiges Beispiel der Diskriminierung ist, dass im Todesfall eines Abos, das Erbe nicht an den Nächsten, sondern an eine öffentliche Einrichtung geht. Anders, als es eben bei den weißen Australiern ist. 2008 sollte dieses Gesetz geändert werden und erst 2012 fing man an, sich damit zu beschäftigen. Das ist schon ein Wahnsinn. Wie sollen die Leute denn überhaupt integriert werden? Sie sprechen ja nicht mal Englisch, wenn sie immer noch im Outback leben. Sie dann einfach in eine heutige Großstadt zu stecken, funktioniert ja gar nicht. Wie sollen sie denn dann in Sydney oder Melbourne klar kommen??? Wahnsinn, das können wir euch sagen. Wir haben noch nie zuvor so viel Wut und Trauer zugleich in den Augen eines Menschen gesehen, wie bei dieser Frau. Sie hat für ein Leben viel zu viel Negatives erlebt und bezeichnet sich selbst als “Weed” (Gras zum Rauchen)…

Nach diesem prägenden Gespräch fuhren wir weiter nach Gold Coast. Wir hielten an den Snapper Rocks an, was wieder ein bekannter Ort zum Surfen war. Das sah auch sehr gefährlich aus, da hier viele Felsen waren, wo man aufschlagen konnte, wenn man vom Board fliegt. Daher haben wir das mal sein lassen. Zum Leihen gab es eh keine Boards. Aber insgesamt blieben wir drei Tage in Gold Coast.

Vom Campingplatz konnten wir ganz einfach mit Bus und Bahn an die verschiedenen Strandabschnitte in Gold Coast kommen. Eines unserer Ziele war Surfers Paradise, wo wir eben surfen wollten. Ich habe mir gleich ein Board geliehen und alles versucht, bin aber kläglich gescheitert. Warum? Weil die Wellen so krass waren, dass ich keine Chance hatte, überhaupt nach draußen zu kommen. Kathi hat sich das Ganze angeschaut und hatte etwas Mitleid mit mir 😉 Danach sind wir durch die Innenstadt getingelt. Irgendwie sieht Gold Coast wie Miami aus. Es gibt einen ultra-langen Sandstrand, der von Hochhäusern umgeben ist. Und die werfen ihren Schatten auf das Meer. Alles sehr beeindruckend. In der Innenstadt haben wir eine Attraktion namens Infinity Walk gefunden. Das ist eine Art Labyrinth, welches von optischen Täuschungen und Dunkelheit lebt. Ziel ist es, den Ausgang aus verschiedenen Räumen zu finden. Ich hatte da das eine oder andere Mal eine leichte Panikattacke, da ich geschlossene Räume nicht mag. Wie auch immer, der Ort war ziemlich cool. Wir konnten noch die Beachfront Markets ablaufen und auch ein paar Sandskulpturen sehen, welche hier für eine Meisterschaft angefertigt worden sind.

Und so gingen unsere letzten Tage in unserem Campervan zu Ende. Am letzten Abend haben wir noch ein junges Paar kennen gelernt, die Besuch von ihren beiden Mamas aus Deutschland hatten. Wir haben uns super gut unterhalten und ein paar Biere und etwas Wein getrunken. Es war witzig zu hören, warum die Mamas ihre Männer daheim gelassen haben, um ihre Kinder zu besuchen. Für uns war das bewundernswert, denn jeder sollte mal über seinen Schatten springen und aus seiner Komfortzone rausgehen, um etwas neues zu tun bzw. zu erleben. Für uns hieß es nun nach Brisbane zu fahren und den Camper abzugeben. Das war traurig, aber wir freuten uns dann auch auf unsere Freunde Ben und Britt. Seid gespannt…

Der Weg nach Port Macquarie, Australien
Brisbane, Australien

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